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                                            Als Nautiker nach Australien


Dieser letzte Teil beginnt im Sommer 1995. Die politische Wende ist längst Geschichte, ebenso mein Studium. Gerade fertig geworden, freute ich mich auf eine lange Urlaubszeit, als es plötzlich Hals über Kopf losging.

Mit diesem Teil möchte ich hauptsächlich die jungen Leute ansprechen, die sich mit dem Gedanken  tragen, ebenfalls den Beruf des modernen Seemanns zu ergreifen. Machen Sie sich ein eigenes Bild von den Bedingungen an Bord. Versuchen Sie, ein Bordpraktikum zu absolvieren, bevor Sie sich endgültig festlegen.

Ich habe den Beruf lieben gelernt, und irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, sagen zu können, dass dieser Job mich wirklich erfüllt!



                                                                          1. Kapitel

Nachdem der Stress mit meiner studienabschließenden  Diplomarbeit überstanden schien und ich mich auf die Verteidigung derselben vorbereitete, erreichte mich ein überraschender Rückruf einer Reederei, bei der ich mich hatte vormerken lassen: umgehend sollte ich die Bewerbungsunterlagen einschicken. Also ließ ich die Ausarbeitung meines Verteidigungsvortrages für einen Tag ruhen und „zimmerte“ die Bewerbungsunterlagen zusammen. Wenige Tage später beendete ich mein Studium mit einer erfolgreichen Diplom-Verteidigung und freute mich auf ein paar erholsame Wochen in Warnemünde. Gleichzeitig traf ein Brief der Reederei ein, in dem mir die Stelle als 3. Nautiker an Bord des MS „James Cook“ ab Mitte Juli zugesichert wurde. So sollte ich also fast zwei Monate Urlaub haben!
Mit kleinen Verschiebungen muss unsereiner ja immer rechnen. Als ich aber am Freitag den 16. Juni nachts die Nachricht von meinen Eltern erhielt, zu Hause wäre ein Telegramm  angekommen, welches mich zum kommenden Dienstag nach Singapore fliegen ließ, platzten ein für alle Mal sämtliche Urlaubsvorstellungen! Am darauffolgenden Sonnabend räumte ich den größten Teil meiner Sachen aus dem Zimmer im Studentenwohnheim ins Auto und kam abends zu Hause an.
Den Sonntag über versuchte ich, mich bei allen Verwandten und Bekannten zu verabschieden, die ich erreichen konnte. Am Montag schließlich musste ich mir noch auf die Schnelle einen vorläufigen Reisepass ausstellen lassen, kaufte sogar noch einen hellen dünnen Anzug, verschiedene Hemden und andere Kleidungsstücke sowie Koffer und Handgepäcktasche. Spätabends kam ich überhaupt erst zum Packen.
Am Dienstag fuhren mich meine Eltern zu meinem neuen Arbeitgeber, den Vertrag unterschreiben. Danach ging‘s zum Flieger nach Bremen.
Der Flug startete 18.50 Uhr nach Frankfurt/M. Mit mir flog der 3.TO. Nach fast zwei Stunden Aufenthalt in Frankfurt begann um 22.00 Uhr der lange Flug nach Singapore. Etwa 12 Stunden später landeten wir. Ortszeit: 16.00 Uhr. Von einem Mitarbeiter der dortigen Agentur wurden wir zu einem Hotel gefahren, da unser Schiff erst am kommenden Nachmittag erwartet wurde.
Trotz der Müdigkeit, die der Flug und auch der Klimawechsel mit sich brachten, zogen wir gleich wieder los. Singapore bei Nacht: bis 22.00 Uhr sind alle Geschäfte geöffnet - und so kamen wir erst gegen 23.00 Uhr zurück ins Hotel.
An die folgenden 10 Stunden Schlaf dachte ich noch lange sehnsüchtig zurück - während des Bordaufenthaltes sollte ich nie zu mehr als 5-6 Stunden Schlaf im Stück kommen! Den nächsten Vormittag verbrachten wir ebenfalls in der Stadt, und gegen 16.00 Uhr betraten wir die Gangway der „James Cook“.

Die größte Überraschung war übrigens, dass mir am Freitag mit dem Telegramm mitgeteilt wurde, ich würde als 2.NO anmustern!
Da saß ich dann also schließlich in der großen Kammer des Seconds. Und während der von mir abgelöste Zweite seinen Koffer versuchte zu schließen, bemühte ich mich, meine Gedankenwelt auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das war die Übergabe: Fast eine Stunde lang erzählte der Pole in akzeptablem Deutsch, welch‘ eine Unmenge Papierkram ich zu machen hätte. Neben dem normalen Wachbetrieb habe ich den gesamten Funkverkehr, inklusive Abrechnung, das Hospital, die Bordapotheke, die Einklarierungspapiere für jeden Hafen und etliches mehr zu erledigen. Und Landgang ist nicht, da im Hafen zwei mal sechs Stunden Deckswache zu gehen sind!
Als er schließlich gegen 20.00 Uhr von Bord war, richtete ich mich häuslich ein. Doch es dauerte noch Tage, bis ich mich daran gewöhnt hatte, es als Selbstverständlichkeit anzusehen, nicht nur in der Kammer des Seconds zu wohnen, sondern es selber zu sein! Zu DDR-Zeiten wäre so ein Sprung vom Absolventen zum II.NO undenkbar gewesen. Heute, wo als III.NO in der Regel bereits Fremdländer fahren, ist mein „Fall“ keine Ausnahme mehr. Aber ich hätte überhaupt nichts dagegen gehabt, klein anzufangen - und nicht nach Kapitän, Chiefmate und Chief der 4. Mann der Schiffsführung zu sein.
Wie es der Zufall so wollte, sind fast alle Deutschen an Bord ehemalige DSR-Fahrer. Und der III.TO ist sogar aus dem Jahrgang vor mir an meiner Seefahrtsschule. Er zeigte auch gleich Bewunderung, Erstaunen und Neid, mich als Neueinsteiger in der Position des II.NO zu sehen. Denn er fährt seit einem Jahr als III.TO ohne Aussicht auf Verbesserung.
Nun kam meine erste Deckswache - diesmal aus der Sicht des verantwortlichen Deckoffiziers. Als mein größtes Handicap stellten sich meine Englischkenntnisse heraus. Nicht nur, dass mein Wachmatrose ein Kiribati war, der auch nur wenig Englisch konnte, nein, immer wieder sprachen mich die Watchmen, der Agent und andere verschiedene Leute an - und natürlich auf Englisch. Peinliche Situationen blieben da einfach nicht aus!
Dazu kam, dass ich kaum Erfahrungen mit der Containerschifffahrt hatte. Vor Jahren bin ich als Matrose mal vier Wochen auf einem Containerschiff gefahren. Und während des Studiums habe ich einen Beleg über das Beladen eines Containerschiffes bearbeitet. Doch das sind alles recht dürftige Erkenntnisse. Und nun stand ich zwei mal sechs Stunden an Deck und sollte die Verantwortung tragen für das, was da geschah! Zum Glück war der Chiefmate immer erreichbar, außerdem vertraute ich darauf, dass nicht nur mein WM, sondern auch die Lade- und Löschgang des Hafens nicht zum ersten Mal ein Vollcontainerschiff mit 1700 Stellplätzen vor sich hatten.
Nachdem abends gegen 18.00 Uhr meine zweiten sechs Stunden beendet waren, eröffnete mir unser Kapitän, dass ich die folgende 20.00-24.00-Wache auch noch gehen würde. Da es die erste meiner Seewachen war und er auf der Brücke sein wollte (und sollte) wäre es verständlicherweise eine Zumutung, ihn für die 00.00-04.00-Wache aus der Koje zu holen. Andererseits wurde dieser Tag auch für mich eine Strapaze. Die Umstellung auf das subtropische Klima kaum überstanden, das stundenlange Umherlaufen auf dem 180 Meter langen Schiff und der wenige Schlaf zwischendurch konnten eine volle Konzentration für vier Stunden Brückenwache kaum noch sicherstellen. Aber irgendwie ging es doch. Und während ich mit dem Alten auf der Brücke stand und wir die Malakkastraße durchfuhren, kam mir der ketzerische Gedanke: ‚Es kann nur besser werden: 12 Stunden Deckswache, dann die erste Brückenwache - und die natürlich bei Nacht in einer der engsten Fahrwasser der Welt!‘
Selbstverständlich herrschte hier reger Verkehr zwischen den Untiefen, so dass sich der Kapitän voll verantwortlich zeigte und ich lediglich mein Können an der Karte unter Beweis stellen musste.
Ganz anders sah es dann am kommenden Vormittag aus. Die Sicht war gut und außer einigen Fischern kaum Fahrzeuge zu sehen. Mit den Worten: „Fühlen Sie sich ruhig unbeobachtet!“ verzog sich der Kapitän ins Funkschapp, schließlich ging er ganz von der Brücke, hinterließ aber die Telefonnummer, unter der ich ihn hätte erreichen können.
Und auf einmal stand ich allein auf der Brücke eines 20.000 Tonnen-Frachters. Als Matrose hatte ich bereits die Möglichkeit alle Brückeninstrumente zu nutzen, während der WO Schreibkram erledigte. Damals aber trug ich keinerlei Verantwortung, konnte zwar mit allem umgehen, musste jedoch letztendlich keine Entscheidung treffen. Nun hatte sich das Blatt gewendet, und die erste Entscheidung kam!
Zu beiden Seiten tauchten immer wieder Fischer auf, die mich nicht aus der Ruhe bringen konnten. Bis mir dann das Radar einen genau voraus anzeigte, der keinerlei eigene Geschwindigkeit hatte, links und rechts meiner Kurslinie war genügend Raum. Also musste ich „nur“ entscheiden, in welche Richtung der Fischer sein Netz ausgeworfen hatte, damit ich an der anderen Seite vorbeifahre. Aber ich kam immer dichter und konnte weder mit Radar noch mit dem Fernglas erkennen, welche Seite sein Bug war. Der Abstand verringerte sich auf drei Seemeilen, auf zwei! Jetzt endlich erkannte ich, dass er begann, selber nach Steuerbord zu fahren. Da er nun aber selber Fahrt aufgenommen hatte, konnte ich unmöglich seine Fahrtrichtung kreuzen. Es wurde Zeit, höchste Zeit, auszuweichen.
Ich stellte mich ans Ruder und begann langsam nach Backbord zu drehen. Das Manöver verlief gut, und immer wieder dachte ich daran, wie einfach es doch am Simulator gewesen war. Denn dort hatte ja überhaupt nichts geschehen können. Damals war ich einer von denen, die kaum eine Fehlentscheidung gezeigt hatten, aber damals war ich auch nicht so aufgeregt! Nun ging es um das Zurückdrehen auf den rechtweisenden Kurs, da fiel mir ein weißer Körper auf, der da schwamm. Sicherheitshalber nahm ich an, es könne sich um eine Netzboje des Fischers handeln und schwenkte erst ein, nachdem dieser Körper ebenfalls Steuerbord querab blieb. Unangenehm wurde nur, dass sich mittlerweile ein anderes Fahrzeug von vorne näherte. Doch es blieb genügend Zeit und Raum, auf meinen ursprünglichen Kurs zu kommen, und somit gleichzeitig diesem Entgegenkommer auszuweichen.
Die Güte meines Manövers zeigte sich in der Reaktion des Alten, dem ich die Situation später erzählte und er nur kurz antwortete: „So? Hab‘ ja gar nichts mitgekriegt!“

Gestern Abend kam ich auf die Brücke, es wurde langsam dunkel und nicht ein Radar war eingeschaltet. Die „alten“ Nautiker lieben scheinbar das Risiko, denn sie sind der Meinung, bei guter Sicht im freien Seeraum auf dieses technische Hilfsmittel verzichten zu können. Nun sind das schon nicht die modernsten Radars, aber immer noch besser als gar keines! Also schaltete ich eines dieser vorsintflutlichen Geräte ein, zumal ich plötzlich allein auf der Brücke stand. Der Käpt‘n schaute gegen 22.00 Uhr für eine halbe Stunde herein, das heißt mit anderen Worten: Es wurde meine erste (!) selbständige Abendwache! Obwohl tatsächlich kaum Verkehr war, traute ich mich doch nicht, nebenbei Karten zu berichtigen. Und so wurde es zeitweise tatsächlich langweilig.

Ganz anders heute vormittag: wieder wenig Verkehr, der Alte saß im Funkraum und machte „faxen“, während ich nebenbei eine Seekarte korrigierte. Mit der Zeit ist der Fakt, die Verantwortung für vier Stunden zu tragen, auch nicht mehr so aufregend, dass es mich hindert, andere Gedanken zu haben. Nur einmal rief der Alte: „Da knallt es gleich, ausweichen!“ - Er, der bei guter Sicht ohne Radar fährt, konnte nicht wissen, dass ich den Entgegenkommer bereits seit längerem auf dem Radarschirm verfolgt hatte, und wusste, er fuhr mit seinem Kurs an uns vorbei. Tatsächlich schien es durchs Brückenfenster ab und an so auszusehen, als ob er querlaufen würde, dem war aber nicht so. Trotzdem erfüllte ich den Wunsch meines Kapitäns kommentarlos und wich aus.

Gestern Abend kam ich zeitweise ganz schön ins Grübeln! Nachdem sich der Käpt‘n von 22.00 bis 22.30 Uhr mit mir unterhalten hatte, begann es spannend zu werden. Den Steuerbord-Horizont übersäten plötzlich unzählige Lichter, deren Fahrzeuge einfach nicht vom Radar erfasst wurden. Erst beim Passieren musste ich mir eingestehen, es mit kleinen, aber sehr gut beleuchteten Fischerbooten zu tun zu haben. Und da ich keinerlei Entfernungswerte aus dem Radar herausbekommen konnte, war ich also gezwungen, nach Sicht Entscheidungen zu treffen! Wer Langeweile hat, kann ja mal versuchen, bei Nacht die Entfernung zu einem einzelnen Licht zu schätzen!? Wenigstens blieb die Bb-Seite frei, so dass ich ausreichend Raum zum Ausweichen hatte.
Kurz vor Wachende bekam ich einen letzten Fischer Steuerbord voraus. Da erkannte ich im Fernglas nicht nur das weiße, sondern auch ein rotes Licht. Ich zögerte und überlegte: einerseits war ich mir sicher, wieder einen ganz langsam fahrenden Fischer vor mir zu haben, an dem ich mit meinem jetzigen Kurs vorbeikäme - doch was, wenn nicht? Ich gab mir einen Ruck, ging auf „Nummer Sicher“ und wich um 35° nach Stb. aus. Eine Minute lang befürchtete ich noch, zu spät angedreht zu haben und ihn nun erst recht „mitzunehmen“. Aber dann wanderten seine Lichter schnell nach backbord aus. Schließlich passierte ich ihn mit meiner Bb-Seite und atmete erleichtert auf. Später auf Kammer durchspielte ich die Situation noch einmal in Gedanken und kam immer wieder zu dem Schluß, richtig entschieden zu haben - vielleicht im letzten Moment, aber rechtzeitig!
Übrigens, als ich dann die Brücke verließ, hatte der III.NO keinerlei Fahrzeuge mehr vor sich.

Heute vormittag dann war ich die meiste Zeit allein auf der Brücke und korrigierte Seekarten. Als mich der III., der übrigens aus Manila kommt und einen 10-Monate-Vertrag hat, mittags ablöste, informierte er mich darüber, dass nachmittags um 15.30 Uhr eine „Feuer-Übung“ stattfinden würde. Also ging ich nach dem Mittagessen nicht ins Bett, sondern zurück auf die Brücke in den Funkraum. Die Abrechnung des gesamten Funkverkehrs der letzten Tage seit meinem Aufsteigen lag da vor mir. Und ich möchte zu gerne erfahren, was wohl geschieht, wenn ich mich verrechne!?
Punkt halb vier gab der Chiefmate das Alarmsignal. Da mein Posten laut Feuerrolle eigentlich auf der Brücke ist - schließlich bin ich der II.NO - musste ich den Kapitän fragen, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich mit hinunter zum Stellplatz ginge, um mir die Belehrungen des III. anzuhören. Über die technischen und fachlichen Unterschiede zur DDR-Flotte möchte ich mich nicht äußern. Überall gibt es bei der Technik Vor- und Nachteile. Überrascht wurde ich aber von der Bereitwilligkeit unserer Kiribati-Crew, alles selber auszuprobieren: die Trage, das Atemluftgerät, den Rettungsanzug. Die deutschen (Offiziere) standen dagegen nur gelangweilt daneben - ich habe niemals einen deutschen Seemann gesehen, der sich so wie unsere fremdländischen Mitarbeiter bei einer Übung oder Demonstration begeistert gezeigt hätte.
Als eine dreiviertel Stunde später alles vorbei war, zog ich mich in meine Kammer zurück, um die ersten Briefe zu schreiben.

Zwei weitere Aspekte, an die ich mich erst noch gewöhnen muß, habe ich bisher nicht erwähnt: Zum einen ist es mir mehr als unangenehm, dass jeden Morgen, wenn ich auf Wache bin, ein Steward meine Kammer reinigt. Ich merke es kaum: Da stehen meine Badelatschen anders, das Bettzeug ist noch korrekter gelegt, als ich es schon getan habe. Der zweite Aspekt ist die absolute Selbstverständlichkeit, mit der der Alte mich als Führungspersönlichkeit akzeptiert. So gibt es für mich scheinbar keinerlei Tabus: Ich darf nicht nur, ich muß und soll sogar sämtliche Funkpost durchlesen - ich erfahre alles, was ich will, wenn ich ihn frage!
Übrigens habe ich mich tatsächlich schon dabei erwischt, meine „Freiheiten“ zu genießen: indem ich mich während meiner Wache eben auch mal hinsetze! Natürlich geht das nur, wenn der Verkehr es erlaubt, aber es ist der Zustand, den ich mir als Lehrling und Matrose immer gewünscht hatte - nicht die vier Stunden Wache in der Nock zu stehen, sondern anhand aller vorhandener Technik und umfangreichen Wissens die Umgebung einschätzen zu können - und sich so auch mal für fünf Minuten auf den Stuhl des Nautikers zu setzen.
Nachdem mir der Käpt‘n gestern also geradeso das alte Radar „erlaubt“ hatte (das etwas modernere CAS würde sonst zu schnell wieder kaputt gehen!), hieß es heute Abend, ich solle doch einfach mitplotten, wenn ich das Radar schon nutze, um sicher entscheiden zu können. Meine erste Antwort darauf war, noch wäre es nicht notwendig. Dazu sagte er nichts, und mir kam der Verdacht, dass er bei mir Grundwissen erfragen wollte. Also tat ich uns den Gefallen und malte kleine Kreuzchen im Zwei-Minuten-Abstand auf die Radarplottscheibe. Dann merkte er, was ich tat, und ich begann halblaut vor mich hinzurechnen: Kurs und Geschwindigkeit der beiden geplotteten Fahrzeuge, Zeitpunkt und Distanz unserer dichtesten Annäherung. Auch dazu sagte er nichts, aber irgendwie bekam ich den Eindruck, er würde mich im Verlauf des weiteren Abends nicht mehr so konsequent kontrollieren. Vielmehr unterhielten wir uns wieder über alles Mögliche. Was ich ihm natürlich nicht gesagt habe war, dass ich eine ganze Weile nachmittags in meinen Heftern gesucht hatte, um diese Grundverfahren wieder komplett im Kopf zu haben. Wer ahnt denn, dass ausgerechnet ich mit Technik arbeiten muß, die bereits 20 Jahre alt ist! Langsam werde ich stolz auf meine Ausbildung, meine alten Dozenten. Sie haben uns einfach sehr vieles beigebracht, angefangen beim ursprünglichsten Handwerk bis zur modernsten Technik ...

Sonntag, d. 02. Juli - Überfahrt nach Jeddah

Die vergangenen Tage waren so anstrengend, dass ich kaum Lust hatte, noch mehr zu schreiben, als ich bereits muß! Außerdem gab es den ersten Ärger: So ließ ich den Koch in der Nacht vom 30. zum 01. Juli telefonieren und hatte dabei völlig vergessen, dass damit nicht nur meine gerade fertig gewordene Telefonabrechnung hinfällig wird, sondern auch die Vorschußrechnung des Alten. Dementsprechend schlechte Laune hatte er am kommenden Morgen. Außerdem hatte ich den Reisebericht für den letzten Monat zu erstellen. Dass heißt, ich sollte die gefahrenen Meilen auf See und im Revier, sowie alle Zeiten dementsprechend aufaddieren. Schließlich sollten als Summe soviel Stunden herauskommen, wie der Juni eben Tage hat.
Dummerweise sah ich das nicht so genau und war der Meinung, eine Kommazahl wäre exakt genug. Als sich der Kapitän nach der Geschichte mit dem Koch etwas beruhigt hatte und das Telex mit dem Reisebericht abschicken wollte, stellte er mit einem Blick fest, dass nicht genau 30 Tage zusammen kamen! Jetzt verlor er leider die Beherrschung, brüllte mich an, schlug mit der Faust auf den Kartentisch - kurz, er tat alles, um sich den nächsten Herzstillstand zu gönnen. Schließlich saß er den gesamten Sonnabendvormittag bei mir auf der Brücke und rechnete die Stunden zusammen. Später las ich irgendwo, dass wir 24 Stunden Zeit nach dem letzten Tag des Monats zur Verfügung hatten, er aber drängelte bereits am Abend zuvor und machte sich ernsthaft fertig.
Heute nun versuchte ich die Papiere für Jeddah vorzubereiten. Es gab zwar Kopien vom letzten Mal, aber keine leeren Formulare mehr. Also hieß es, alles mit Tipp Ex zu übertünchen, um dann durch kopieren ”neue” Formulare zu bekommen. Im Durchschnitt mache ich jeden Tag zwei Überstunden für den anfallenden Papierkram, eher sogar noch mehr, da ich mich noch nicht traue, während der Wache etwas zu tun. Und schon gar nicht nachts. Dazu kommt, dass wir im Hafen zwei mal sechs Stunden Wache gehen, der III.NO und ich. Das sind prompt vier Überstunden pro Hafentag. Bei der Anzahl von Häfen komme ich bereits dadurch an die Grenze von 90 Überstunden, an die ich mich laut mündlicher Vereinbarung zu halten habe. 64 dieser Stunden kommen allein schon durch die Wochenenden zusammen. Der ”Rest” sind dann die Deckswachen - alles andere, was ich hier so mache, geschieht aus Enthusiasmus. Also, wenn sich das Arbeitsklima mit dem neuen Kapitän in zwei Wochen nicht wesentlich verbessert, die Arbeitsteilung etwas fairer wird, dann werde ich wohl über Konsequenzen nachdenken müssen!

Port of Jeddah, Saudi Arabia - 04. Juli

Ich bin mir jetzt sicher, dass bei unserem Kapitän das ”Peter-Prinzip” wirkt. Als ich gestern Abend die Papiere für Jeddah vorbereitet hatte, kam er, warf nur einen kurzen Blick auf sie und beschwerte sich sofort über die äußere Form. Ich hätte doch gefälligst alles mit der Schreibmaschine zu schreiben! Langsam wird mir die Besserwisserei zu viel, deshalb erklärte ich nur knapp - so hätte es auch mein Vorgänger getan! Natürlich musste er mit der Bemerkung:
”Ach, und wenn Ihr Vorgänger ins Feuer springt oder Fehler macht, dann tun Sie das auch?!” das letzte Wort haben. Dazu fiel mir dann einfach nichts mehr ein - hatte er mich nicht auf die Vorbildwirkung der vorhandenen Formulare hingewiesen?
Gegen 22.30 Uhr begann die Ansteuerung von Jeddah. Und natürlich kam er aus dem Meckern nicht mehr heraus: Ich hätte daran zu denken, die Anker, die Leinen, die Lotsenleiter klarmachen zu lassen; die Besatzung zu wecken, Kaffee für den Lotsen zu kochen und natürlich - das Schiff reinzubringen! Wieder kam er mir mit seinem Peildiopter und wollte unbedingt zeigen, wie gut und wichtig diese Art der Ortsbestimmung sei. Dass das einzige Feuer, welches sich uns zeigte, eine ganz andere Kennung hatte als alle in der Karte eingetragenen, verwunderte mich zwar, aber der ständige Vergleich mit den GPS-Werten gab meinen Peilungen Berechtigung. Da der Alte selber ebenfalls peilte, stellte er schnell dasselbe fest: Es gab keine Leuchtfeuer draußen, die mit denen in der Karte übereinstimmten.
Der Zeitdruck saß uns im Nacken. Das Schiff machte immer noch 10 bis 12 Knoten, links und rechts Untiefen, voraus ein Sperrgebiet, und wir hatten keine Möglichkeit der Ortsbestimmung! Es muß ihm enorm schwer gefallen sein, sich von seinen altbewährten Methoden zu trennen. Schließlich knirschte er zwischen den Zähnen hindurch: ”Dann machen Sie mal mit GPS weiter!” - Nur nebenbei: GLOBAL POSITION SYSTEM arbeitet weltweit zur Zeit mit einer Genauigkeit von 100 Metern! In jeder Hand einen Zirkel konstruierte ich erst alle zwei Minuten, dann jede Minute die Orte, während der Kapitän immer wieder versuchte, irgendeinen Anhaltspunkt zum Peilen zu finden. Schließlich machten wir keine Fahrt mehr durchs Wasser und warteten auf den Lotsen.
Inzwischen war der III.NO auf der Brücke erschienen. In der Hektik hatte ich tatsächlich vergessen, meine Ablösung zu wecken. Da uns der Filipino nicht verstehen konnte, kam ein denkwürdiger Kommentar zum Abschluß:
”Das stimmt doch hier alles nicht vorn und nicht hinten, hat mich auch etwas überfahren. Aber Sie müssen aktiver werden! Anfangs haben Sie doch nur dagestanden und aufs Radar geschaut! Zum Schluß dann lief es doch ...!” - Ein Lob vom Alten, von diesem Alten. Ich wünschte noch eine gute Wache und ging schlafen.
Von 06.00 bis 12.00 Uhr Deckswache, dann geschlafen und wieder von 18.00 bis 24.00 Uhr. Langsam gewöhne ich mich nicht nur an das extrem feucht-heiße Klima, sondern auch an meine Rolle.
Bereits zum zweiten Mal passierte es mir, dass mich der Alte nach der Uhrzeit fragte. Diesmal wollte er wissen, wann wir fertig werden, und ich meinte einfach:
”Gegen dreiviertel sieben!” - ”Auf Deutsch bitte!” Diese Gegenfrage kam so überraschend, dass ich ihn wohl einen Moment lang ziemlich dumm angestarrt habe. Dann begriff ich, riß mich zusammen und antwortete nach kurzem Überlegen:
”Viertel vor sieben!” - ”Aha.” sprach‘s und ging. In mir kochte es.
Der intelligente Wessi, der dem armen dummen Ossi einfach alles beibringen muß, ist nicht in der Lage, so einfache Ossi-Gewohnheiten wie die original-deutsche Zeitansage zu verstehen - will es gar nicht! Und der beschränkte Ossi denkt sogar noch um, kann schließlich beide Ausdrucksformen. Und ausgerechnet die Aufforderung ”auf deutsch” bringt mich an die äußere Grenze meiner Selbstbeherrschung. Dieses ”viertel vor - viertel nach” ist ja wohl eindeutig die simple Übersetzung aus dem Englischen! Immer, wenn ich an dieses Thema denke, bekomme ich Bauchschmerzen - deshalb genug davon.
Wegen zweier Kühlcontainer, die wir mit Bordmitteln nicht reparieren konnten, verschob sich unsere Abfahrtszeit von 19.00 auf 01.00 Uhr. Gegen 02.00 Uhr begann die Seereise zum Suez-Kanal.

Es überschlägt sich hier fast. Durch meinen regelmäßigen 12- bis 16-Stunden-Arbeitstag komme ich zu kaum mehr als drei bis vier Stunden Schlaf. Fast jeden zweiten Tag kann ich mir die Zeit nehmen und nachmittags noch zwei Stunden schlafen! Und bei der Menge Schreibarbeit für die Einklarierungspapiere habe ich kaum noch Lust, meine privaten Notizen fortzusetzen. Deshalb umreiße ich die vergangenen Tage nur kurz:
Wir erreichten Suez, lagen vor Anker bis der Konvoi zusammengestellt worden war und passierten dann den Kanal. Natürlich hatte ich das Vergnügen, währenddessen auf der Brücke zu stehen. Zum ersten Mal zeigte mir der Kapitän dabei, wie der Maschinentelegraf zu bedienen sei. Nun darf (!) und kann ich auch das. Schließlich machten wir in Port Said fest. Die ”fliegenden” Händler, die sofort an Bord kamen, waren das aufdringlichste Volk, das ich je gesehen habe. Und verschiedene Personen schlichen durch die Aufbauten, klopften an die Kammertüren und wenn keiner ”herein” sagte, versuchten sie die Tür zu öffnen, Wehe dem, der nicht abgeschlossen hatte! So stand denn auch bei mir plötzlich jemand in der Tür, sagte ”sorry” und verschwand wieder.
36 Stunden später waren wir bereits auf dem Wege nach Piräus - Griechenland. Im Stillen freute ich mich darauf, mit dem III.TO nachts nach dem Festmachen an Land zu gehen. Selbst wenn die Schlafenszeit dadurch noch kürzer werden würde. Doch dann musste er das Bunkern überwachen, und ich ging doch nur in meine Koje, mit dem Vorsatz, wenn möglich am nächsten Morgen an Land zu gehen. Der Montagmorgen kam und wir saßen beim Frühstück, als der Chief sich an mich wandte:
”Wie weit sind Sie denn mit dem Reisebericht?” - ”Bin ich leider noch nicht zu gekommen.” - ”Ich habe Ihnen das schon einmal gesagt, fangen Sie damit rechtzeitig an! Wenn der Charterer den Bericht nicht pünktlich bekommt, feuert er Sie. Dann können Sie bereits in Barcelona wieder absteigen.” - Sprach‘s und ging. Als letzter saß ich nun vor meiner Kaffeetasse und wußte vor Staunen gar nicht so recht, was ich von dieser Vorstellung eben halten sollte. Nicht, dass mich eine Kündigungsdrohung irgendwie beeindrucken könnte, so gut gefällt es mir hier ohnehin nicht. Aber es stimmte, dass ich ihm bereits zugesagt hatte, mich darum zu kümmern. Dass er nun Existenzängste bekommen würde, konnte ich ja nicht vorhersehen.
Nach kurzem Überlegen sah ich keine andere zeitliche Möglichkeit, als auf meinen Landgang zu verzichten, auch den Nachmittags-Ausgleichschlaf zu canceln und mich gegen 12.30 Uhr, nachdem ich meine ersten sechs Stunden Deckswache hinter mir hatte, ins Funk-Office zu setzen. In gut 3,5 Stunden brachte ich den Voyage-Report auf den aktuellen Stand, erledigte noch die angefallene Funkpost, hatte dann aber keine Lust mehr, auch noch die Papiere für Salerno vorzubereiten. Für all das wagte ich nun doch mal, mir zwei Überstunden zu schreiben! Dann begann um 18.00 Uhr meine dritte Schicht: sechs Stunden Deckswache ...
Völlig fertig und erstaunlich gleichgültig geworden, legte ich mich schließlich gegen 00.30 Uhr in die Koje. 5 bis 6 Stunden Schlaf, je nachdem, wann es losgehen würde, erwarteten mich.


Salerno, Italien

Piräus verließen wir gegen 07.00 Uhr morgens. Und heute hatte ich das Vergnügen, die Straße von Messina in meiner Wache zu passieren. Natürlich war der Alte oben, und bei unserer Schiffsgröße mussten wir dann auch einen Lotsen nehmen. Der war auch tatsächlich von 08.12 bis 08.30 Uhr an Bord! So schnell hatte ich diese Passage nicht mehr in Erinnerung - aber das ist ja schon Jahre her...
Nach dem Mittagessen machte ich die Papiere für das Einlaufen fertig, dann stieg ich in die Koje, in der Gewißheit, mein erstes Anlegemanöver auf der achteren Manöverstation (oder einfacher ”achtern”) gegen 18.00 Uhr vor mir zu haben. Doch als ich dann um 17.15 Uhr aufwachte, waren wir schon fast fest. Der III.NO, ein Filipino, hatte wieder das Vergnügen.
Die Landschaft ist überragend, im wahrsten Sinne des Wortes: Das Städtchen klebt förmlich an den steilen Bergen, die nahezu ans Mittelmeer heranreichen. Und während alle anderen sofort an Land stürzten, absolvierte ich meine sechs Stunden Deckswache, die sogar etwas anstrengend wurden, da die Italiener mit drei Kränen gleichzeitig arbeiteten und ich mächtig hinterherlaufen musste, um den Überblick zu behalten. Dementsprechend müde verschwand ich schließlich im Bett.
Mein Wecker riß mich aus dem Tiefschlaf, doch das Telefon klingelte nicht. Warum wohl weckte mich der III. nicht?
Ich fand meinen Wachmatrosen in der Kombüse, wo er sich etwas zu essen machte. Mit erstauntem Gesicht erklärte er mir, dass der III.NO bereits seit 04.00 Uhr schlief und er mich erst gegen 07.00 Uhr wecken sollte, da ohnehin keine Lade- und Löscharbeiten bis 08.00 Uhr stattfanden. Na gut, wieder ins Bett zu gehen lohnte sich nicht, also setzte ich mich im Funkshap an die Schreibmaschine und bereitete die Papiere für den nächsten Hafen vor. Nach dem Frühstück dann begann die Decksarbeit bis um 12.00 Uhr das Schiff auslaufbereit war. Während ich wieder in meine Koje kletterte, warteten alle anderen auf den Lotsen.
Übrigens erlebte ich gestern Abend meinen ersten Drogentest, der anhand einer Urinprobe in England angefertigt werden soll. Das gesamte Führungspersonal musste dafür antreten - bei positivem Ergebnis ist derjenige gefeuert! Das beinhaltet zwar nicht mein Arbeitsvertrag, liegt aber nahe. Nun, darüber muß ich mir wohl keine Sorgen machen. Vielmehr über die Beurteilung, die der Alte über mich bei der Reederei abliefert. Überraschend fair kam er heute Abend während meiner Brückenwache hoch und begann, mir gutgemeinte Tips zu geben: dass ich selbstbewusster auftreten müsse, weniger ”dumme” Fragen, gerade in Anwesenheit von Vorgesetzten stellen sollte und immer damit rechnen müßte, dass die Leute in meinem Umfeld von der Reederei über mich befragt werden würden. Sprachlos stand ich vor meinem Radar und dachte so bei mir: Und warum haben wir die Stasi abgeschafft? Die waren wenigstens nicht so offensichtlich! Möglicherweise hat der Kapitän auch leicht übertrieben, aber damit rechnen sollte ich besser nicht... Andererseits, wenn der Alte über seine Untergebenen schlechte Einschätzungen schreibt, bedeutet das für die Geschäftsführung womöglich auch, dass er als Kapitän versagt hat ... ?!


La Spezia, Italien

Das war heute ein langer und interessanter Tag! Er begann mit der Aussicht, endlich ein Anlegemanöver auf der achteren Manöverstation (ich weiß wirklich noch nicht, ob das hier und heute so genannt wird!) mitzumachen, da wir gegen 09.00 Uhr den Hafen erreichten. Doch der Liegeplatz war noch besetzt, so dass wir statt dessen vor Anker gingen. Da stand ich dann mit dem Bootsmann auf der Back und exerzierte mein erstes Ankermanöver als NO. Irgendwann früher hatte ich übrigens auch schon als Matrose das Vergnügen - damals allein! Und ich bin fast der Meinung, in alten Zeiten wurde kein Nautiker extra auf die Back zitiert. So sollte ich nun dem Alten dann angeben, wieviel Längen zu Wasser waren und wie die Kette zeigte. Ersteres nannte sich nach wie vor: 1,2,3 Schäkel am Spill oder zu Wasser. Als ich aber schließlich begann, mit meinem ursprünglichsten ”Fachchinesisch” die Lage der Kette zu beschreiben, geschah folgendes:
Kapitän: ”Wie zeigt die Kette?” - ”Zwei Strich Steuerbord voraus!” - ”Wieviel Uhr: 1 Uhr, 2 Uhr, 3 Uhr?!” - Wiedereinmal hieß es, schneller umdenken, als es bemerkbar ist, also: ”3 Uhr und tight!” Wobei ich bei dem letzten Wort im Stillen schon um die allgemeine Verständlichkeit fürchtete. Aber, es ”ging durch”. Im Nachhinein überlegte ich mir, was wohl geschehen wäre, wenn die Kette beispielsweise:
”3 Strich steuerbord achterlicher als querab” gezeigt hätte?! (Für den Laien: ungefähr 5 Uhr; an der rechten Schiffsseite in Fahrtrichtung nach vorne, dort, wo das Schiff spitz zuläuft.)
Doch dann lagen wir vor Anker und warteten darauf, dass unser Liegeplatz frei wurde. Inzwischen hatte sich die Agentur über Funk gemeldet und erklärt, vor 11 Uhr würde es wohl nichts mehr werden. Schließlich wurde es 10 Uhr und Kollege Kapitän begab sich wie immer hinunter in die ”Schweinchen”-Messe, in der sich die Maschinen-Offiziere zum 2. Frühstück trafen (früher hieß das Smoketime). Nebenbei bemerkt sind nur zwei West-Germanen an Bord, und trotzdem werden deren Begriffe übernommen!
Da kam über UKW der Ruf nach ”James Cook”- ich also ran! Wieder der Agent. Ich lauschte angestrengt ob seines schnellen und undeutlichen Englisch, bekam mit, dass lediglich die erste Information bestätigt wurde, und dass unsere Zahnarztanforderung für ein Besatzungsmitglied klar war. Nur die Zeit musste ich nachfragen. Ich finde, mein englisches Verstehen wird besser. Doch ich werde mich in Zukunft weiterhin bemühen, so langsam zu sprechen, dass mein Gegenüber den Eindruck bekommt, einen Laien vor sich zu haben, um somit ebenfalls konzentrierter zu sprechen. Reden kann ich ja ”wie ein Wasserfall”, aber wenn mein Gesprächspartner dann ebenfalls  so loslegt, muß ich bisher noch passen!
Erst gegen 14.30 Uhr waren wir schließlich fest. Über Walkie-Talkie hatte ich das Manöver mitgehört, um weiter zu verinnerlichen, wie es abläuft. Dann verließen auch die Behörden das Schiff und ich stürzte an Land. Ausgerüstet mit der guten alten Exa und einem 100-DM-Schein suchte ich mir den Weg durchs Terminal bis zum sogenannten Stadtzentrum. Zwischendurch fand ich eine Bank, in der ich das Geld tauschte, der Kurs lag ungefähr bei 1 DM zu 1000 Lira! Es wurde ein schöner Sommertag, und so gönnte ich mir an der nächsten Ecke den Luxus eines Speiseeises! Dann fragte ich nach einer Post.
Da die wenigsten Italiener eine andere Sprache beherrschen und mein Italienisch ebenfalls recht dürftig ist, musste ich meine Fragestellung auf das Zeigen der Postkarten beschränken, während mein Gegenüber auf einen Tabacco-Laden wies und ständig ”Franko” wiederholte. Also kaufte ich im nächsten Zigarettenladen Briefmarken und warf die Post in die hier roten Briefkästen. Wenige Schritte später stand ich direkt vor dem Postamt ... Dort erfuhr ich, dass ich alles richtig gemacht hatte, und dass man nicht in der Post, sondern in einem Telekom-Laden telefonieren kann. Diesen fand ich dann auch einige Straßen weiter, und nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten mit dem Angestellten stand ich schließlich in einer der Telefonzellen und wählte nach Hause durch...
Kurz vor 18.00 Uhr traf ich wieder an Bord ein, gerade rechtzeitig um meine 2. Schicht anzutreten. Wie es aussieht, werden wir erst in zwei Tagen hier wegkommen. Aber das wird sich wohl sogar noch verspäten! Völlig fertig kletterte ich schließlich mitten in der Nacht in meine Koje, erschöpft, aber glücklich, endlich einmal an Land gewesen zu sein.


Fos-Sur-Mer, Frankreich

Tatsächlich sind wir erst am Montagmorgen ausgelaufen und erreichten Frankreich innerhalb von nur 12 Stunden. So kam es denn endlich, dass ich gegen 18.30 Uhr auf der achteren Manöverstation stand, und mein erstes Anlegemanöver vor mir hatte. Der Matrose Teeta und der ”Lehrling” (O/S) Teororo bereiteten die Leinen vor, dann kam das Mooringboot und die Weisung vom Käpt’n, erst die Spring, dann sofort (!) die Achterleine an Land zu geben. Die Spring ging ins Boot und wurde an Land übern Poller geworfen; die Achterleine ging raus, und ich wußte eigentlich nicht, nach welchem Kriterium ich die Wahl zu treffen hatte. Später erst fiel mir ein, dass Teeta an der mittleren Winde bereitstand und mich fragend ansah, als ich schließlich die landseitige Leine orderte. Warum nur rechnete ich nicht mit der Erfahrung dieses Mannes, der bereits seit 15 Jahren als Matrose, und seit über 7 Monaten auf diesem Schiff zur See fährt?!
Die Leine war noch gar nicht an Land, da erkannte ich meinen Fehler! Es handelte sich um eine lose Leine, die über einen Spillkopf eingeholt werden musste, aber die dafür notwendige Winde war die Spring, die ich gerade an Land hatte und somit nicht auf den Spillkopf umshiften konnte. So lag die erste Achterleine überm Poller und ließ sich nicht hieven! Da kam auch schon die Stimme des Alten aus dem Quasselkasten: Zu Recht aufgebracht reagierte er auf meine Erklärung. Ich solle gefälligst zusehen, eine Windenleine an Land zu bekommen. Im Stillen dankte ich in diesem Moment Teeta, der die Lage längst erkannt hatte und sogar gleich zwei Leinen zum Boot herunter gegeben hatte. Der Dampfer klappte langsam ab, entfernte sich achtern mehr und mehr wieder von der Pier. Die Springwinde konnte es nicht aufhalten, rutschte sogar mit, obwohl ich hievte! Zum Glück dauerte es keine Minute, dann konnte ich die beiden neuen Achterleinen einholen. Durch die zwei Leinen wurde es möglich, unser Heck zügig wieder an die Pier zu bekommen.
Nun wußte ich übrigens, nach welchem Kriterium die Leinenreihenfolge zu entscheiden war: erst die festen Mooringleinen!
Mit einer ungewöhnlichen Reaktion überraschte mich später der Alte, als ich auf ihn zuging und offen zugab, einen groben Fehler begangen zu haben: Ganz ruhig, aber wohlwollend ernst antwortete er nur, ich müsse eben noch viel lernen. Wogegen er sich die Schimpftiraden des Lotsen hatte anhören können. Zumal die Situation dadurch erschwert worden war, dass wir ablandigen Wind und nur einen Schlepper zum Gegendrücken hatten ...
Den ganzen Abend brauchten wir dann, um den Ausrüstungs-LKW zu entladen. Wieder eine neue Situation: Hatte ich früher als Matrose das Zeug zu schleppen, stand ich jetzt daneben und zählte anhand der Listen die Waren nach.
Gegen Mitternacht war schließlich alles erledigt und fast alle außer dem Kapitän trafen sich spontan in der Mannschaftsmesse, um bei einem Bier den langen Tag ausklingen zu lassen. Es wurde etwas später, so dass ich erst gegen 02.00 Uhr ins Bett kam. 3,5 Stunden darauf klingelte wieder das Telefon: Auf zur nächsten 6-Stunden-Wache!


                                                                         2. Kapitel

Barcelona, Spanien - 19.07.

Hier stiegen der Alte, der Chief sowie die Frau des Elektrikers ab (auf Neudeutsch ”aus”). Der neue Chief ist ebenfalls ein ”Ossi” - der neue Alte nicht. Der erste Eindruck von ihm war einschüchternd: Der Mann stand plötzlich vor mir, stellte sich vor und ich - musste hinauf schauen, um ihn ebenfalls zu begrüßen. Meine lichte Höhe mißt 183 cm - seine dürfte bei 10 bis 15 cm mehr liegen!
Gegen 19.00 Uhr kam der Kleinbus, um die absteigenden Personen ins Hotel zu transportieren, da nicht klar war, wann wir weiterfahren würden und der Flug in den Morgenstunden begann. Ich stand an der Gangway, verabschiedete alle, und ein beklemmendes Gefühl beschlich mich. Doch ich riß mich zusammen - Heimweh nach erst 20 Tagen schien nicht angebracht - und ging schnell wieder an die Luke.
Später lief mir unser deutscher Lehrling übern Weg, der nicht so recht wußte, was er jetzt noch tun könne, nachdem er sich in seiner Kammer eingerichtet hatte. Ich verwies ihn weiter an den Chiefmate, der wiederum schickte ihn in die Maschine, da seine Ausbildung vorerst dort stattfinden würde. Etwas ungewöhnlich ist es schon, einen deutschen ”Auszubildenden” an Bord zu haben, der gerade erst seine Sicherheitskurse absolviert hat, sonst aber überhaupt nichts vom Bordleben kennt! Ich hätte nicht gedacht, so etwas mitzuerleben. Und im Stillen ziehe ich den Hut vor soviel Mut, diesen Beruf zu erlernen und im Grunde nur mit Ausländern zu tun zu haben, denn die Offiziere werden sich kaum um ihn kümmern können. Ich denke, er wird möglicherweise mächtig allein sein hier an Bord.
Aber wenigstens sitzt er nun bei uns in der O-Messe während der Mahlzeiten, und ich habe den Eindruck, der II.TO fühlt sich ein wenig für ihn verantwortlich. Fast möchte ich meinen: typisch ”Ossi” ...
Gegen Mitternacht stieg ich, wie üblich, in meine Koje und freute mich, mal wieder am Ablegemanöver vorbeigekommen zu sein, da wir wohl demnächst auslaufen würden ...
Doch dann klingelte gegen 03.20 Uhr das Telefon und der Chiefmate beorderte mich auf die achtere Manöverstation! Während ich mir die Kombi (heute Overall) überzog, überlegte ich, warum wohl der III.NO ausgefallen wäre?
Achtern angekommen stellte sich dann aber heraus, dass der neue Kapitän ein anderes System bevorzugte: Der III.NO war vorn, ich achtern, der Chiefmate mit auf der Brücke - alle an Bord waren auf! Egal die Überstunden, wenn es um die Verantwortung des Kapitäns geht, muß alles nach Vorschrift laufen. Bisher habe ich beim Schreiben meiner Überstunden eher gekürzt - dieses Ablegen aber wurde festgehalten!
Über Funk kam dann eine kurze, aber präzise Einweisung: Ich war Charlie III und alles wurde auf englisch abgesprochen! An den Gedanken, dass sich Deutsche untereinander, gerade bei wichtigen Ereignissen, in einer Fremdsprache austauschen, muß ich mich erst noch gewöhnen!
Das Ablegen verlief reibungslos. Wesentlichen Anteil daran hatten natürlich auch meine beiden Matrosen, die mit mir so intelligent zusammenarbeiteten, als hätten wir es schon 100mal getan. Ich gab die Weisungen von Charlie I weiter, bediente die Winden und ließ die beiden ansonsten selbständig arbeiten; verließ mich dieses Mal konsequent auf die Erfahrung von Teeta - und es gab keine Schwierigkeiten!

Mittlerweile sind wir auf dem Weg nach Port Said. Ein dreiwöchiger Seetörn liegt vor uns, dann werden wir Fremantle in Australien erreichen. Endlich können wir alle etwas ruhiger treten!


Im Mittelmeer

Ein kleines Beispiel, um den Unterschied der beiden Kapitäne darzustellen: Gestern vergaß der I.NO, mich rechtzeitig zu wecken.
So kam ich erst gegen 07.45 Uhr in die Messe zum Frühstück. Nur der Alte saß noch an seiner Back.
”Guten Morgen!” begrüßte ich ihn. ”Bin etwas spät geweckt worden.” - ”Das macht doch nichts.” - sprach‘s und widmete sich weiter seinem Toast. Eine ähnliche Situation gab es vor einigen Tagen schon einmal, der neue Chiefmate war es einfach nicht gewöhnt, seine Ablösung zu wecken! Damals hatten weder ich noch der Alte etwas in der Messe gesagt. Aber ich bemerkte, wie er immer wieder auf die Uhr sah. Trotz allem erschien ich pünktlich um 08.00 Uhr auf der Brücke.
Erst später erfuhr ich, dass er vor mir dort war und zum Chiefmate sagte:
”Herr Dietrich steht wohl erst um 07.45 Uhr auf?” - Doch er hatte nicht mit dem gesunden Selbstbewußtsein des neuen Chiefmates gerechnet (der übrigens auch schon als Kapitän gefahren ist) und der dann einfach zugab, mich zu spät geweckt zu haben und mir zugestanden hatte, erst in Ruhe zu frühstücken!

Kurz bevor der neue Alte heute Abend die Brücke verließ, fragte er mich:
”Und, macht die Seefahrt noch Spaß?!” - Und ohne lange zu überlegen antwortete ich spontan: ”Jetzt wieder!” - Ein kaum unterdrücktes Lachen kam daraufhin zurück. Er wünschte noch einen schönen Abend und ging.
Tatsächlich hatten wir fast den ganzen Tag an dem neuen Rechner gesessen, den wir bereits gestern im Funkraum installierten. Der Kapitän übernahm sogar den größten Teil meiner Vormittagswache, damit ich in Ruhe die Software einrichten konnte. Leider musste ich feststellen, dass Windows nicht vollständig installiert war und begann also, alles neu zu laden. Da wir aber keinerlei Softwaredisketten besaßen, musste ich erst vom PC, welcher im Maschinenbüro steht, einiges kopieren. Dabei begegnete mir der Chief, der mir sein Leid klagte, bereits alles versucht zu haben, um die Maus zum Arbeiten zu bewegen. Da ich es ebenfalls als äußerst unbequem ansah, richtete ich sie ihm ein. Ich glaube, jetzt habe ich beim Chief ”einen Stein im Brett” - jedenfalls sah er richtig glücklich aus, als ich nach wenigen Minuten begann, mit der Maus zu arbeiten. Dann, nach dem Mittagessen - also in meiner Freizeit - setzte ich mich wieder an ”unseren” Rechner und lud das neue Windows, wobei es aber doch wieder Komplikationen gab. Nun war ich aber wirklich etwas müde und legte mich kurz hin. Nach dem Abendbrot wollte ich die Einklarierungspapiere für den Suez-Kanal vorbereiten. Doch zuerst stand ich meinem Kapitän bei, der vor dem PC saß und recht ratlos wirkte: Nichts ging mehr, und wahrscheinlich machte er mich im Stillen dafür verantwortlich. Noch dazu hatte er der Reederei gerade ein Telex geschickt, in dem es hieß, der neue Rechner wäre installiert und würde arbeiten! Mit wenigen ”Handgriffen” startete ich ihm das gewünschte Word und Excel, schlug ihm aber vor, demnächst sehr viel mehr Ordnung und Komfort in die Bedienung zu bringen. Kurz und gut, es machte wieder Spaß, zur See zu fahren!
Er hat bereits vieles selbst entworfen, um den anfallenden Schreibkram auf dem PC effektiver zu gestalten. Und als ich ihm ebenfalls einige weitere Vorschläge machte, merkten wir, dass wir wohl auf einer ”Wellenlänge” liegen. Erstaunt und angenehm überrascht bin ich, einen Mann von 58 Jahren vor mir zu haben, der dermaßen flexibel und lernfähig ist. Dazu kommt wohl auch noch eine große Portion ”Spieltrieb” - schließlich hat er sogar eigene Computerspiele mitgebracht!


Suez - Kanal

Gestern nachmittag gegen 15.00 Uhr erreichten wir die Reede von Port Said. Bis zu diesem Zeitpunkt saß ich wieder am Rechner und versuchte, Ordnung in das Chaos der Disketten zu bringen.
Danach begab ich mich nach achtern, ein Anlegemanöver der besonderen Art stand uns bevor: Während vorn der Backbordanker geworfen wurde und zwei Steuerbord-Leinen an einer Tonne festgemacht wurden, hatten wir achtern fünf Leinen an zwei Festmachertonnen ”anzubändseln”. Der kurze Kommentar des Alten im Nachhinein lautete: ”Es lief doch richtig gut, so fürs erste Mal!” - Die Schwierigkeit hatte allein darin bestanden, die Leinen nicht in die Schraube kommen zu lassen!
Nun warteten wir, dass der Konvoi zusammengestellt wurde. Währenddessen saß ich wieder am Computer. Zwischendurch hatte ich die Aufgabe, Port Said - Port Control anzurufen und nach unserer Startzeit wie auch der Startnummer zu fragen. Ich war allein auf der Brücke (ein wesentlicher Aspekt denke ich, um relativ unbefangen an eine neue Herausforderung zu gehen!) und erfuhr so auch relativ problemlos, dass wir die 5. im ersten der beiden Konvois sein sollten und der Lotse um 00.40 Uhr an Bord käme.
So warfen wir gegen 02.00 Uhr die Leinen los und der Nord-Süd-Konvoi setzte sich in Bewegung. Um 09.00 Uhr erreichten wir den Großen Bittersee und ich absolvierte mein 2. Ankermanöver. Anschließend machten wir Bootsmanöver, d.h. wir ließen uns erst im Bb- dann im Stb-Rettungsboot zu Wasser, fuhren eine Runde ums Schiff, und versuchten dann, alles wieder in die alte Lage zu bringen. Es ist schon ein Unterschied, ob man so ein Boot zu Übungszwecken während eines Lehrganges fährt, oder wie hier unter der Verantwortung für 10 Leute! Aber der Chiefmate stand mir hilfreich zur Seite. Auch er sah es als persönliche Auffrischung aller Kenntnisse an, machte sich im Nachhinein sogar Vorwürfe wegen einer Unmenge Fehler, die er getan hätte, ich jedoch überhaupt nicht bemerkt hatte.
Völlig durchgeschwitzt waren wir alle, als wir schließlich beim Mittagessen saßen. Kein Wunder, bei 32  Grad C im Schatten!
Gegen 18.00 Uhr verließen wir den Suez-Kanal und gaben den Lotsen ab. Als ich dann zwei Stunden später auf der Brücke erschien, hatte sich die große Anzahl von Schiffen noch immer nicht aufgelöst, so dass der Kapitän weiterhin auf der Brücke blieb. Während der nun folgenden vier Stunden hatten wir beide viel zu tun. Nach einer bereits gewohnten, kurzen aber präzisen Absprache zwischen uns beiden hatte ich die Navigation an der Karte zu besorgen – und zwar im 5- bis 10-Minutentakt, so dass wir immer ganz genau wußten, wo wir uns befanden; während er die Kollisionsverhütung betrieb. Es klappte auch wunderbar, merkte ich jedenfalls an seinen Reaktionen: Meinte er anfangs, er würde ab und an ebenfalls Orte machen, und wenn es Differenzen gäbe, solle ich ihn ohne Scheu darauf aufmerksam machen - schließlich würde er auch Fehler machen können. So sagte er nach zwei Stunden plötzlich:
”Ich verlaß mich voll auf Ihre Navigation!” - ”Ich weiß ...” Was sollte ich sonst darauf antworten, schließlich tat ich nichts anderes, als wenn ich allein wäre. Keinesfalls verließ ich mich darauf, dass er einen Fehler von mir bemerken könnte - ich durfte einfach keinen machen! Das war zu wichtig in diesem stark befahrenen engen Verkehrstrennungsgebiet.
Gegen 21.00 Uhr klingelte das Satellitentelefon und der Alte ging ran, da wir noch ein Fax erwarteten und horchte in den Hörer, um das quietschende Geräusch des sendenden Faxgerätes mitzubekommen. Doch ich hatte eine Ahnung ...
”Ja, das ist die James Cook!” begann er. ”Sie wollen Herrn Dietrich sprechen?! Einen Augenblick ... ” sprach‘s und reichte mir den Hörer. Diese Fähigkeit ist also über all die Jahre hinweg nicht verloren gegangen: Meine Mutter und ich ”ahnen”, wenn der andere sich meldet. Ich musste das Gespräch abkürzen, da es die Verkehrslage nicht erlaubte, den Kapitän lange allein zu lassen. Dennoch erfuhr ich, dass meine Eltern am Tag zuvor den Polarkreis in Finnland überschritten hatten. Wieder zeigte es sich, wie nützlich ein Funktelefon sein kann.
Ab 23.00 Uhr wurde es ruhiger, so dass der Alte und ich ein wenig ins Erzählen kamen. Ich erfuhr, dass er im Urlaub Radarlehrgänge gibt und Mitglied einer Nautischen Kameradschaft ist. Daraufhin gab auch ich mich als Poseide zu erkennen, und mit einem Lächeln meinte er: ”Da sind wir ja sogar Kneipbrüder!” - Tatsächlich ist das ein besonderer Umstand, der uns sogar das ”Sie” ersparen könnte. Wobei das im Dienstverhältnis in der Regel vermieden wird. Trotzdem rutschte ihm seitdem immer häufiger das ”Du” heraus.
Ziemlich erschöpft fiel ich schließlich in meine Koje, im Bewußtsein, morgen wieder einen angenehmen Tag zu erleben ...


Im Roten Meer

Heute nachmittag trat für mich zum ersten Mal der Zustand ein, dass ich akut nichts zu erledigen hatte und auch nicht müde war. So gönnte ich mir den Luxus und setzte mich bei einem Bier in die Offiziersbar, um ein Video zu sehen. Seit vier Wochen wieder fernsehen! Anschließend legte ich mich für zwei Stunden hin und nach dem Abendbrot öffnete ich erst die Kantine, dann begann ich, die neu eingetroffenen Medikamente in die Bordapotheke einzusortieren. Ich habe noch nicht erwähnt, dass mir der Alte angeboten hatte, für 5% des Umsatzes die Kantine, den ”Krämer-Laden” an Bord, zu DSR-Zeiten auch ”Transitausgabe” genannt, zu übernehmen. Natürlich hatte ich zugesagt. Nicht nur, weil sich mit dem Erlös meine eigene Bordrechnung begleichen lassen würde, sondern auch, weil ich dann selber für die Zahlen zur Einklarierung in verschiedenen Häfen verantwortlich war, und nicht einem Dritten hinterherlaufen (und vertrauen) musste!


Black out

Vormittags bastelte ich aus einem leeren Zigarettenkarton eine Sichtblende für das ARPA-Radar, da dieses ”Tageslichtgerät” absolut überfordert schien. Der Alte zeigte sich begeistert und so ließ ich den Karton schließlich noch vom Bootsmann komplett schwarz anmalen.
Nachmittags gönnte ich mir wieder einen Film und zwei Stunden Schlaf. Wie jeden Tag, löste ich den Chiefmate für sein Abendessen ab. Weit und breit war lediglich ein Fahrzeug zu sehen - und das kam uns an Backbord entgegen, um nach Steuerbord hinüberzuqueren. Da fragte mich der Erste, was ich tun werde. Und ich besah mir die Sache, erkannte, dass der andere noch über 8 sm entfernt war und das ARPA mir einen Passierabstand von gerade mal 0,3 sm vorausberechnete. Also meinte ich, ich würde um ein paar Grad nach Backbord Raum geben.
”Um Himmels willen!” - rief er sofort. ”Machen Sie so was bloß nie! In dem Moment, in dem Sie nach Backbord ändern, schert der womöglich zu seiner Steuerbordseite aus, um laut Vorschrift auszuweichen!” - Ich nickte, selbstverständlich hatte er recht. Aber zum einen ist der Abstand jetzt noch groß genug, um nötigenfalls selber wieder nach Steuerbord zu drehen, andererseits ist kaum zu erwarten, dass der andere noch ausweichen wird, wenn er sieht, selbst mit einfachster Technik, dass durch mein Manöver keine Kollisionsgefahr mehr besteht.
Er ging zum Essen hinunter, und ich tat ihm den Gefallen, mich strikt an die Kollisionsverhütungsregeln zu halten. Also behielt ich stur meinen Kurs bei, nahm mir aber vor, spätestens bei einem Abstand von 2 sm stark nach Steuerbord wegzudrehen. Als wir uns auf 4 sm angenähert hatten, erkannte ich deutlich, wie mein Gegenüber begann, nach seiner Steuerbordseite auszuweichen. Ich stand an meinem ARPA und dachte: ”Du armer Kerl, hast keine solche Technik an Bord und das einfache Radar zeigt dir nur eine stehende Peilung. Darum weißt du nicht, dass es mit 300 bis 400 m Abstand klappen würde! Und nur weil ich auf meine Pflicht als Kurshalter bestehe, mußt du jetzt einen riesigen Haken schlagen ...” - Durch die schnelle und große Kursänderung verlor er wohl stark an Geschwindigkeit. Und so kam es, dass er bei 2 sm  Abstand erst einen achteren Passierabstand von 3 Kabel erreicht hatte - derselbe, den er gehabt hätte, wenn er einfach geradeaus weiter gefahren wäre! Nun ging ich doch ans Ruder und gab etwas Raum, indem ich ebenfalls nach meiner Steuerbordseite auswich. So erreichten wir schließlich einen Passierabstand von 0,8 sm - mehr als genug. Als alles vorbei war kam der Chiefmate wieder.
Nach meinem Abendbrot öffnete ich wieder die Kantine und sortierte anschließend die restlichen Medikamente ein, so dass ich bis zu meiner Wache genug zu tun hatte.
Ich kam auf die Brücke und der I. übergab mir eine Situation, in der es eigentlich nur noch vernünftig war, nach Backbord auszuweichen, um so an den beiden Mitläufern an Steuerbord, die einen Entgegenkommer durchlassen mussten, vorbeizukommen. Die Alternative für uns war eine gigantische Kursänderung nach Steuerbord, um hinter die beiden Mitläufer zu kommen.
Der Alte befand sich ebenfalls auf der Brücke, und ich stand nun am Radar und konnte mich nicht entscheiden. Er muß gemerkt haben, in welcher Zwickmühle ich mich befand. So meinte er halblaut zu mir, ohne dass der Chiefmate es hören konnte:
”Ändern Sie jetzt um 10 Grad nach Backbord, dann geht doch alles klar!” - Ich tat es, und natürlich ging alles glatt. Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass die Internationalen Kollisionverhütungsregeln lediglich bei schlechter Sicht vorschreiben, nur nach Steuerbord auszuweichen. Ansonsten ist es mehr eine Empfehlung, die aber ein Raumgebemanöver zur Backbordseite nicht ausschließen! Als der Erste dann von der Brücke ging, bemerkte der Kapitän:
”Man merkt, dass der Chiefmate ein Kümo-Fahrer ist: Immer bis zum letzten Moment heranfahren und dann Haken schlagen ...” - Ich wollte kurz die Episode vom Abendessen erzählen, um mein Zögern zu erklären, aber er winkte nur ab. Der Erste hatte ihm gleich alles erzählt. Und wieder merkte ich, dass wir dieselben Einstellungen hatten.
Die Situation war schließlich soweit geklärt, dass wir den letzten der beiden Mitläufer Steuerbord querab hatten. Wir unterhielten uns, als plötzlich alles ausging! Mit einem Schlag erloschen alle Lichter auf der Brücke, das gleichtönige Geräusch der Hauptmaschine verstummte - und Ruhe umgab uns.
”Das - ist ein klassischer Black-out.” - vernahm ich die völlig ruhige Stimme meines Kapitäns. Dann schalteten sich die Notversorgungssysteme ein und alle Alarme, die wir hier oben so bekommen können, meldeten sich. Während wir beide damit beschäftigt waren, die Alarmhupen auszuschalten, erklärte er seelenruhig:
”Und jetzt schalten Sie die zwei roten Lichter ein und die Topplichter aus. Dann bitte die Notbeleuchtung einschalten. Und kontrollieren Sie, ob die roten Lichter auch leuchten.” - Ich also raus in die Nock, sie brannten.
In dem Augenblick, als ich die Brücke wieder betrat, ging ein zweites Mal alles aus. Nur unsere Taschenlampen leuchteten noch. Selbst die roten Fahrtstörlaternen, die ja über die Notstromversorgung liefen, waren wieder aus. Später erfuhren wir vom Chief, dass dies der Augenblick gewesen sein muß, als endlich der Notstromdiesel per Hand angeworfen wurde (der sich in solchen Fällen eigentlich automatisch dazuschalten soll) und die Umschaltung von den Batterien auf eben diesen Diesel nicht ganz reibungslos verlief. Das Ganze dauerte keine drei Minuten, dann hatten wir wieder die normale Stromversorgung. Kreiselkompaß, GPS und Standard C-Funkanlage konnten sich selber wieder anpassen. Die Radargeräte und das Satellitentelefon mussten neu justiert werden. Der von uns überholte an Steuerbord meldete sich über UKW und fragte, was los sei. Der Alte erklärte kurz die Lage und dass wir jetzt wieder alles unter Kontrolle hätten. Während er sich dann ans Einstellen der SAT-Anlage machte, nahm ich mir die Radars vor, wobei ich für das vorsintflutliche ARPA im Handbuch nachschauen musste. Schließlich hatten wir wieder die gewohnte Lage auf der Brücke und ich merkte, wie die Anspannung nachließ.
”Sehen Sie, wie gut es war, einen ausreichenden Passierabstand zu haben?!” - Ich nickte und er sprach weiter:
”Auf den Schreck muß ich jetzt erst mal ein eiskaltes alkoholfreies Bier trinken.” - ”Ich habe gerade einen Tee angesetzt, aber es ist natürlich Ihre Entscheidung!” – „Wirklich! Dann komme ich gleich wieder, will nur mal sehen, wie mein Rechner das Ganze überstanden hat!” - Natürlich hatte dieses System ebenfalls keine Probleme, neu zu starten. Als wir dann gemütlich unseren Tee tranken, begann er :
” ... und ich werde Sie fürs nächste Mal anfordern, dürfte ja mit unserem gemeinsamen Urlaub so hinkommen ... ” - Überrascht antwortete ich:
”Würde mich auch freuen, wenn es klappen könnte!” - Schließlich kam noch der Chief schulterzuckend auf die Brücke. Er konnte sich weder den Totalausfall noch das Versagen des Notstromdiesels erklären! Ich will’s ja nicht heraufbeschwören, aber eigentlich fehlt uns nur noch ein Ausfall des GPS oder des Kreisels. In beiden Fällen werden wir sofort um Jahrhunderte zurückkatapultiert! Aber an diesem Abend geschahen keine weiteren Katastrophen, so dass ich schließlich dem III. eine ”Gute Wache” wünschen konnte.


Unterwegs

Die letzten Tage verliefen so ruhig und geregelt, dass ich die Bücher und Videos für mich wieder entdeckte. Ich verschlang jeden Tag ein Buch und nachmittags ein Video nach dem Bad im Swimmingpool. Dazwischen viel Schlaf und die obligatorischen 8 Stunden Brückenwache.
Gestern nun kramte unser ”Reiseleiter” den Formularblock für die Wettermeldungen, Wetter-Observation, kurz Obse, heraus. Und nachdem ich mich heute vormittag fast eine Stunde durch die Codierung der Temperaturen, der Wolken, Wind, Strömung und vieles mehr geackert hatte (schließlich ist das Studium dieser Thematik auch schon 1,5 Jahre her), stand ich abends nicht nur vor der Aufgabe, die Beobachtung ins Formular einzutragen, nein, ich musste es auch als Telex abschicken. Eine grobe Anleitung dazu hatte der Käpt’n hinterlassen, aber sie war leider nicht ganz eindeutig, so dass ich mehrere Versuche starten musste.
Schließlich glaubte ich die Meldung abgesetzt zu haben, obwohl keine Quittierung des Empfängers erschien. Da ich aber nicht noch mehr Geld dafür verschwenden wollte, ließ ich es sein und widmete mich wieder meinen eigentlichen Aufgaben: Schiff fahren und Tee trinken! Da klickerte der Fernschreiber doch noch einmal los und ich las auf dem Monitor:
”We have recieved your OBS-Message, any more?” - Ich überlegte kurz, wie ich wohl antworten könnte, ob ich nun die gesamte Sendeprozedur durchziehen müßte oder ...
”No, thank you” - tippte ich einfach ein und tatsächlich kam prompt die Antwort:
”OK. BiBi!” - Tatsächlich funktionierte dieses System wie ein Computerinternet, und ich konnte mir ein Schmunzeln über die Schreibweise des ”Bye-Bye” meines Gegenübers nicht verkneifen. Als der III. dann zu meiner Ablösung auf die Brücke kam, ließ ich mir den Sendevorgang komplett erklären.


Am Äquator

”Und ... machen wir eine kleine Feier?!” - fragte ich mittags meinen Kapitän.
”Es ist ja nichts vorbereitet” - bedauerte er. ”Auf der Rückfahrt werden wir aber eine Taufe durchziehen!” - Kurz darauf in der O-Messe verkündete er:
„Gegen 15.00 Uhr werden wir den Äquator überqueren. Es wird durch ein Klingeln der Alarmanlage und des Typphons angezeigt. Ich schlage vor, wir treffen uns dann zu einem Bier auf dem Palaverdeck, ok?!” - Zustimmendes Nicken ringsherum bestätigte dem Alten, dass seine Offiziere trotz der intensiven Beschäftigung mit ihrem Mittagsmahl seine Information zur Kenntnis genommen hatten.
Ich blieb extra vor dem Video sitzen, bis um genau 15.33 Uhr die Alarmanlage das Passieren der Nullinie ankündigte. Erstmals sah ich die gesamte Besatzung beisammen. Lediglich der III. NO fehlte - einer musste schließlich nach vorne sehen! Feierlich erhoben wir die Flaschen und stießen auf einen guten Verlauf der Reise an! Es war nicht das erste Mal, dass ich den Äquator überquerte, aber wie lange war das schon her?!
Kleine Gespräche hatten sich ergeben und spät erst trennten wir uns wieder.
Mitten in der Nacht klingelte während meiner Wache das Telefon. Meine Eltern. Sie befanden sich immer noch in Finnland nahe dem Polarkreis - und ich am Äquator!
Nach der Wache kam ich spontan auf einen Gedanken: Ich zog mich aus, wickelte mir das Badetuch um und ging leise, um niemanden zu wecken, zum Pool. Dann lag ich im Dunkel der sternenklaren Nacht auf dem Rücken treibend im 30 Grad warmen Seewasser unseres Schwimmbades und genoß den Augenblick völliger Unbeschwertheit - geistig wie auch körperlich! Und während ich in den sternenübersäten Himmel über mir blinzelte (es schaffte doch immer wieder ein Tropfen des hochsalzigen Wassers, mir ins Auge zu kullern) entdeckte ich das ”Kreuz des Südens”. Dass ich es wiedersah, dass ich überhaupt wieder an Bord eines Schiffes war, hatte ich vor gut zwei Monaten selber nicht einmal gewollt! Ich hätte womöglich auch jetzt darauf verzichten können - aber ein gutes Gefühl war es trotzdem. Vielleicht gönne ich mir in Zukunft doch ab und zu mal eine Seereise als Nautiker - nur so aus Spaß!


Probezeit

Chiefmate und Kapitän befanden sich vormittags bei mir auf der Brücke. Gerade hatte ich die beiden gebeten, sich meinen Stundenzettel anzusehen, der für den vergangenen Monat abgerechnet werden sollte.
”Ich komme nämlich auf 130 Überstunden, und dabei habe ich noch abgerundet!” - ”Ja, und” meinte der Alte. „Wenn Sie die auch gemacht haben, gibt es doch keine Diskussionen!” - ”Mir wurde vom Personalchef nahegelegt, nicht über 90 zu kommen - und noch bin ich in der Probezeit ...” - Da schaltete sich der Chiefmate ein:
”Ach was, wenn Sie gearbeitet haben, müssen Sie dafür auch bezahlt werden!”
Inzwischen hatte sich der Alte meinen Stundenzettel gegriffen und begann, einen Kommentar zu schreiben. Schließlich wurde er fertig und ließ mich lesen:
”Die Überstunden waren notwendig und nicht vermeidbar.” - ”Und wie lange Sie auf Probe sind, entscheiden wir hier an Bord!” erklärte er wie selbstverständlich. ”Ich muß schließlich der Reederei faxen, ob Sie gut sind oder nicht!” - Ich nickte verstehend und hoffte einfach das Beste.
”Wir haben übrigens einen kleinen ”Anschlag” auf Sie vor!” - Ich sah ihn erwartungsvoll an, und nach einem kurzen Blickwechsel mit dem Chiefmate erklärte er: ”Da wir in Sydney etwas länger liegen, bietet es sich an, dass Sie dort mit dem III. wieder die Wache tauschen und Sie endlich Ihre Wache als II. gehen, wie es sich gehört! Ich halte Sie durchaus dafür geeignet, und wenn’s doch mal Probleme gibt, klingeln Sie mich einfach an! Okay?!” - Die Überraschung war gelungen. Sprachlos brachte ich lediglich ein ”Okay” und ”Danke” heraus. Obwohl ich ganz gern die 8-12-Wache gehe. Als ich das den beiden sagte, waren sie die Überraschten. Und der Erste meinte:
”Das ist doch die beste Wache, keiner kann Sie stören!” - Und der Kapitän bot etwas zögernd an: ”Sprechen Sie mit dem Dritten, vielleicht gefällt es ihm ja so auch besser?! Aber Vorsicht, die Filipinos lächeln einfach und sagen ”ja” ohne zu murren - also mit ein bißchen Diplomatie!” - - -
Sydney erreichen wir in zwei Wochen und ich denke, dann wird meine Probezeit endgültig als abgeschlossen angesehen werden.
Und womöglich ist es doch klüger, die alten Wachregeln nicht umzustoßen. Ich werde mich wohl damit anfreunden müssen, die ”Hundewache” zu gehen!

Abends fragte ich meinen Matrosen Teeta, ob er nicht mit mir Tischtennis spielen würde. Er sagte zu, aber ich war mir nicht sicher, ob er es tat weil er es wollte, oder weil ich sein Vorgesetzter war. Doch ich verdrängte diesen Gedanken. Schließlich bemühte ich mich ständig, nicht den ”Befehlshaber” heraushängen zu lassen. Und so wurde die Zeit zwischen Abendbrot und meiner Wache richtig schön. Auch Tischtennis hatte ich schon lange nicht mehr gespielt, aber nach kurzer Zeit kamen die alten Tricks wieder zum Vorschein. Und Teeta war ein guter Spieler, so dass wir uns schließlich gegenseitig von Ecke zu Ecke scheuchten...


40 Meilen bis Australien

Es ist kurz nach Mitternacht. Ich sitze in meiner Kammer und höre australische Radiosender (endlich wieder störungsfreier- und UKW-Empfang!) Musik spielen. Nach 18 Tagen - seit Barcelona - Seereise endlich wieder in der Zivilisation angekommen. In wenigen Stunden werden wir in Fremantle einlaufen. Hätte gar nicht gedacht, dass es mich so begeistern würde:

                                                                
ich bin in AUSTRALIEN.
 

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