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                                                     Als Lehrling nach Südamerika

                                                                                    1. Kapitel
 

Freitag, den 11.7.1986 - Rostock

Der Abspann des Filmes lief im Fernsehen und ich verließ die Messe. Was nun? Eigentlich sollten wir schon gegen Mittag ablegen und nach Wismar verholen. Inzwischen ist es 21.30 Uhr geworden und das Laden von Kali, immerhin 7000 Tonnen, ist noch immer nicht abgeschlossen. Kein Wunder also, dass auf MS „Warnemünde“ Hochbetrieb herrschte. Als ich die Messe verließ und zu Mark, unserem Gangwayposten, hinausging, erschien sogar der „Alte“ persönlich, um sich vom aktuellsten Stand zu informieren.
„Etwa noch 150 Tonnen!“
„Wie lange noch?“
„Eine knappe Stunde.“
Ich ging in meine Kammer, die ich bereits seit einer Woche mit Sören bewohnte, und richtete mich auf eine weitere Stunde Leerlauf ein. Da es aber allen zwölf Lehrlingen so ging, trafen wir uns schließlich wie auf Verabredung im Sportraum. Neben einigen Gewichten und einem Hometrainer gab es hier auch eine gute Tischtennisplatte. Da wir so viele waren, mussten wir „Chinesisch“ spielen. Als bis 22.45 Uhr immer noch nichts passiert war, erkundigte ich mich bei der Gangwaywache. (Neben den Offizieren die Informationsquelle, vielleicht sogar die noch bessere, da hier auch die Gerüchte zusammenliefen.) Und dort hieß es nun, gegen 01.00 Uhr früh geht‘s endlich los! Na schön, da legte ich mich für die Stunde doch noch einmal ins Bett, pardon - in die Koje und schlief ein. Um 00.15 Uhr wurde ich vom Wachmatrosen geweckt. Ich zog mir meine Arbeitssachen an, setzte mich auf den Sessel und wartete. Sören lag auf der Backskiste, also der Couch, und döste.
Mit der Zeit bemerkte ich, dass sich im Schiff etwas tat. Alles vibrierte, kaum dass man es spürte, aber irgendwie stärker werdend.
‚Die Hauptmaschine läuft‘ dachte ich und sah sicherheitshalber aus dem Bulleye, dem runden
Fenster. Ich sah hinaus, fixierte das gegenüberliegende Schiff und – erstarrte!
„Wir legen ab! Verdammt, ohne uns Bescheid zu geben. Los, raus!“ rief ich und stürzte hoch. In der Eile vergaß ich meinen Helm und Sören brachte ihn mir mit.
Am Heck angekommen, bemerkten wir, dass es für uns leider nichts mehr zu tun gab. Wir hatten abgelegt!
Mit der Zeit ließ die Enttäuschung nach und wir konnten uns in Ruhe Rostock-Warnemünde ansehen. Bis auf ein paar Lichter war nicht viel zu erkennen - es war stockdunkel und sehr windig.
Dann gab‘s doch Arbeit: Den Schlepper losmachen und die Schleppleine einholen. Gerade als wir sie aufgeschossen hatten, fuhren wir an der Mole vorüber. Die Wogen überspülten sie häufig. Trotz dieses Wellenganges lag unser 10.000-Tonner aber ruhig im Wasser, mit Kurs auf Wismar.

Sonnabend, den 12.7. - Wismar

Unsere Kammertür ging auf und der 4-8-Wachmatrose stand im Raum:
„7.10 Uhr: Aufstehen! Es gibt Rührei mit Tomaten zum Frühstück - vorher Anlegemanöver.“ Tür zu. Mühsam krabbelten Sören und ich aus unseren Kojen. Die letzte Nacht war wohl doch etwas zu kurz gewesen.
So wie wir nachts zu spät kamen, waren wir jetzt viel zu früh oben. Wir genossen die schönen Aussichten auf beide Ufer während des Einlaufens. Gegen 07.30 Uhr kamen die Schlepper und zogen uns rückwärts an den Schüttgutkai heran.
Um 08.25 Uhr gab‘s Frühstück. Danach begaben wir Lehrlinge uns in den Beratungsraum, zum theoretischen Unterricht. Währenddessen wurde der „Rest“ der Besatzung damit beschäftigt, das Laden der letzten Tonnen Kali zu überwachen. Inzwischen erzählte uns Genosse Müller, unser Ausbildungsoffizier (AO) etwas über Lichterführung, Knoten und den neuen Rettungsanzug. Darüber verging die Zeit und am frühen Nachmittag hatten wir wieder frei.
Nach dem Abendbrot, das wir diesmal sehr früh einnahmen, marschierten Olaf, Detleff und ich los. In die Stadt hinein. Zuerst auf der Suche nach einer besseren Kneipe, wogegen ich mehr nach einer Telefonzelle Ausschau hielt, später dann zog es uns als „kultivierte Bürger“ ins Kino. Der Film war sogar gut. Danach trennte ich mich von meinen Freunden und fand endlich eine Telefonzelle. Es nahm aber leider niemand ab. Ich vermutete, dass meine Eltern bereits bei meinem Bruder zu Besuch waren, ganz in der Nähe übrigens.
Sonntag, den 13.7. - Wismar

Nach dem Frühstück musste ich erst einmal unsere Sanitäranlage in einen optisch einwandfreien Zustand versetzen, was mir doch etwas Geduld abforderte - und Zeit. Aber ich konnte es so einrichten, dass ich um 8.30 Uhr fertig wurde und den Hafen verlassen konnte, um meinen Eltern bei der Suche nach dem Überseehafen zu helfen. So gab ich die Bordgenehmigungen für meine Eltern am Tor ab und wanderte in die Stadt. Diese Bordgenehmigungen brauchte jeder, der als Besucher an Bord kommen wollte.
Ich will es kurz machen: Wir trafen uns und gingen Mittag essen. Dann fuhren wir nach Neukloster. Wir wollten meinen Bruder noch einmal besuchen.
Besonders wir beide freuten uns riesig, uns zu sehen. Wer weiß, wann wieder?


Montag, den 14.7. - NOK

Um 3.00 Uhr wurden wir geweckt! Schnell etwas anziehen und die Kojen bauen. Und schon kamen die Herren vom Zoll.
„Guten Morgen, die Seefahrtsbücher bitte!“ - Sören gab seines. Der Zöllner schaute aufs Paßbild, sah zu Sören, aufs Bild, auf Sören. „Danke.“ - Bei mir dieselbe Prozedur. Mühsam unterdrückte ich ein Grinsen. Dann waren wir erlöst.
Ein Stündchen später liefen wir aus Wismar aus, es war 4.30 Uhr. Mit Kurs auf die Kieler Bucht - Richtung Westen.
Während der Stunden bis zum Frühstück spulten wir die Decks vom Kali frei. Danach die „Große Bordversammlung“. Endlich! So wie ich es mir vorgestellt hatte, saß die gesamte Mannschaft in der Messe und hörte dem Kapitän bei der Einweisung, den Belehrungen und Informationen zu. Nur dass der Alte nicht stand, wie es in Filmen gezeigt wird, irritierte mich etwas. Danach probten wir die Komplexrolle und stiegen anschließend schön vorsichtig in die 3000-Mark-Rettungsanzüge. Die letzte halbe Stunde bis zum Mittag fegten wir noch in Luke 2 Kali zusammen. Hier sollten in Hamburg drei Mercedes hinein. Nun, dann war wieder „Ausscheiden“. Das bedeutete, wir hatten den Nachmittag über nichts anderes zu tun, als uns aufs Sonnendeck zu setzen und die Naturschönheiten, die uns geboten wurden, zu genießen.
Gleich nach dem Mittagessen steuerten wir auf Kiel zu und fuhren in die Schleuse des
Nord-Ostsee-Kanals oder kurz NOK.
Und dann kamen wir aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Zuerst hatten wir ja noch Karten gespielt und uns über belanglose Dinge unterhalten. Als dann aber die erste Brücke in Sicht kam, wurden wir aufmerksam. Und als sich dann rechts und links am Ufer die Ein- und Mehrfamilienhäuser abwechselten, ließen wir die Karten sein und griffen uns vielmehr die Fotoapparate. Die „schäbigsten“ Bauten konnte man gerade noch als Villa bezeichnen; für alle anderen fehlen mir die Worte. Große, herrliche Holzhäuser, Villen in modernster Fassade, zwei- und dreistöckig, mit riesigem Vorgarten und sogar großen, gepflegten Rasenflächen wechselten sich ab. Unbeschreiblich schön! Jedes Haus auf seine Weise anders, aber nicht schlechter. Dies und die Natur, insbesondere das schöne Wetter, besorgten den Rest.
 

Um 16.00 Uhr gab es das erste Mal Transitwaren, aber keine Schokolade; und Zigaretten brauchte ich nicht.
Nach dem Abendbrot gingen wir frühzeitig in die Kojen, es sollte früh rausgehen.


Dienstag, den 15.7. - Hamburg

Die letzten Nächte hatte mich mein Zeitgefühl überrascht. So auch heute: Ich wurde wach, sah auf den Wecker und er zeigte genau 01.00 Uhr. Wenige Minuten später wurden wir vom Wachsmatrosen geweckt:
„Klar vorn und achtern zum Schlepper festmachen und anlegen!“ hieß es. Als ich oben ankam, sah auch ich es: Wir fuhren bereits auf der Elbe. Das Hafenbecken öffnete sich vor uns und die Schlepper kamen uns entgegen.
Jetzt musste alles wieder sehr schnell gehen: Festmacherleine zum Schlepper, Wurfleinen und Festmachertrossen fertigmachen, aufklarieren, Rattenbleche heraus und Sonnenbrenner bereitlegen. Dann konnten wir in Ruhe unsere Einfahrt in Hamburg miterleben. Es war zwar Nacht, aber die vielen Flächenstrahler der Krane und die Leuchten der Schiffe ließen doch einiges erkennen.
Das Anlegemanöver klappte wie gewöhnlich. Die Gangway wurde ausgebracht, der Posten aufgestellt und der Rest der Mannschaft konnte wieder schlafen gehen.
Wieder wurde ich punkt sieben von allein wach. Aber es kam keiner wecken. So zog ich mich leise an und wollte gerade frühstücken gehen, da schallte es über die Bordlautsprecher durchs ganze Schiff:
„Guten Morgen! Ab sofort ist in der Messe Valutaausgabe und gleichzeitig bekommen Sie Ihr Seefahrtsbuch. Landgang ist bis 18.00 Uhr! Ich wiederhole ...“ - Hurra! Ich war außer mir vor Freude. Sören begriff ebenfalls, aber der Schlaf saß ihm noch so in den Augen, dass es etwas verwirrt wirkte.
Die Sache hatte nur einen Haken! Jeder Lehrling brauchte einen Vollmatrosen als Begleitung. Nur, alles kam so plötzlich, dass noch nichts abgesprochen war. So hieß es dann von Seiten Genossen Müllers:
„Wer keine Begleitung hat, arbeitet!“ - Also los. Mich wurmte das dermaßen, dass ich bis Mittag doch noch jemanden fand. Zusammen mit Sören, Detleff und dem Langen hatten wir fünf Matrosen und verschwanden nach dem Mittagessen! Jeder von uns hatte 20,-DM in der Tasche, kein allzu reichliches Taschengeld freilich, aber wir wollten ja auch nichts Bestimmtes kaufen. Um 12.55 Uhr brachte uns die Hafenfähre zu den Landungsbrücken, dicht an der Altstadt. Von hier aus marschierten wir recht zügig in Richtung Stadtzentrum, welches wir erreichten, als wir in die Mönkebergstraße einbogen. Hier wurde uns Lehrlingen nun vorgeschlagen, allein die Straße hoch und runter zu laufen, aber um 16.00 Uhr wieder vor diesem Kaufhaus zu sein.
So zogen wir los. Und staunten. Ich kannte ja schon einige internationale Großstädte, halb Osteuropa hatte ich bereits mit meinen Eltern bereist. Aber dies hier war eine Stadt des Kapitals, was ich völlig unbewußt auch registrierte. Die Geschäfte waren alle voll. Es roch nach teuren Parfüms, auch auf der Straße. Preisschilder mit unmöglichen Zahlenkombinationen, bis auf den Pfennig bezeichnet, zogen uns an. Und so viele Menschen! Bis wir an einem Geschäft vorbeikamen, an dem Leierkastenmusik ertönte. Jetzt kam ich mir vor, als wäre ich um mindestens 50 Jahre zurückversetzt worden. In das damalige Deutschland im Jahre 1929-34. Im nächsten Augenblick war ich wieder in der Wirklichkeit.
 Die Musik kam keineswegs aus einem Lautsprecher, sondern neben dem Eingang zu einem modern eingerichteten Kaufhaus stand ein alter Mann mit grauem Bart. Schlecht angezogen, die Haut im Gesicht und an den Händen verwittert. Mit der einen Hand drehte er die Kurbel des uralt erscheinenden Leierkastens, mit der anderen hielt er sich daran fest. Auf dem Musikinstrument stand ein Korbbecher. Einige Geldstücke lagen darin. Ich konnte mich nicht losreißen. Und so steht dieser Mensch hier Tag für Tag. Vielleicht bekommt er so viel zusammen, dass es für den nächsten Tag reicht?
Ich musste Sören schnell folgen. Ihn zog wieder ein Klamottenladen an. Und wieder folgte Geschäft auf Geschäft. Es schien wirklich DIE Ladenstraße zu sein. Plötzlich hörte ich eine Flöte. Als ich mich suchend umsah, entdeckte ich ein etwa neunjähriges Mädchen vor einem Schaufenster sitzen. Vor sich hatte sie ein Notenbuch liegen und daneben - einen Becher! Sie spielte Kinderlieder und alte Volksweisen. Ich ging weiter.
Schließlich entschlossen wir uns, das „kleine“ Karstadt-Kaufhaus in Angriff zu nehmen. In diesem Gebäudekomplex aus vier Etagen überraschte es uns förmlich auf Schritt und Tritt. Da gab es Haushaltwaren, Teppiche, Sportartikel, Koffer, Porzellan, modische Kleidung, ein Café, einen Stehimbiß, ein Restaurant und und und ...
Aber die 4. Etage wurde für uns unwiderstehlich: Schallplatten und Unterhaltungselektronik. Auf Anhieb hätte ich zwei, drei Platten kaufen mögen, nur reichte mein Taschengeld nicht ganz aus. Dann standen dort Fernseher, Radios, Recorder, Plattenspieler, Synthesizer, Walkmen ... sogar DDR-Produktionen waren darunter, relativ preiswert. Von all diesen herrlichen Dingen konnte ich mich nur schwer trennen. Aber dann musste es doch sein, wir wollten uns ja um 16.00 Uhr treffen.
In einem Neckermann-Eckhaus sah ich endlich die kleinen Videospiele (die Vorläufer der heutigen Gameboys), nach denen ich schon den ganzen Nachmittag gefragt hatte. Sören borgte mir 10,-DM und so konnte ich mir eins kaufen. Dann kamen unsere Matrosen. Da es wohl doch noch zu früh war, verabredeten wir uns auf die nächste dreiviertel Stunde. Wir liefen in Richtung Bahnhof los. Dort angekommen, fanden wir in einer Nebenstraße endlich auch Sörens Laden. Natürlich konnte er nichts kaufen. Gleich gegenüber übrigens lockten Werbungen wie „Sex-World“, „Sex-Paradies“ und ähnliches. Wir entdeckten auch eine „Spielothek“, Wettbüros und mehrere Automatensaloons.
‚Alles ist käuflich‘ sagte ich mir. Wir lachten unbeschwert und zogen weiter. Als wir einen Straßentunnel durchquerten, stießen wir auf einen Mann, der am Boden kniete und mit bunter Kreide das Porträt eines alten ehrwürdigen Mannes auf den Boden zauberte. Jawohl, das Bild war echt gut, sicher würde es vollendet richtig wirken. Dann klimperte es. Der Mann hob den Kopf und murmelte „danke“. Schnell gingen wir weiter. Wir hatten nur noch wenig Zeit, kamen aber trotzdem pünktlich auf unserem Dampfer an. Detleff und der Lange hatten sich Uhren gekauft, einer der Matrosen sogar Schallplatten. Mein Videospiel war von da an völlig in der Benutzung meiner Freunde.
Um 19.30 Uhr liefen wir aus, es war ein schöner Tag geworden. Abschließend laschte ich noch ein paar Kisten Ladung, dann war Nachtruhe. Gegen 23.30 Uhr verließen wir die Elbemündung, mit Kurs auf Antwerpen.

Mittwoch, den 16.7. - Nordsee

Nach dem Frühstück zeigte uns Gen. Müller, wie man eine Festmacherleine zum Auge verspleißt. Man hat 8 Kardeele. Je zwei gehören als Paar zusammen und werden so zu vier Paaren. Davon sind zwei Linksgesteckte und zwei Rechtsgesteckte. Die Ersteren werden unter die anderen gesteckt, und nachher umgekehrt. So bekamen wir die neue Festmacherleine und konnten die alte im Kabelgatt „aufschießen“, einordnen. Dann begannen wir, Fender zu basteln. Zunächst einfache Holzfender. Die Pier in Antwerpen, insbesondere die Wände der Hafenschleuse sollten sehr rauhe Wände haben. Deshalb benötigten wir fünf Fender. Nach dem Mittagessen ging es um Reifenfender. Einen schafften wir, den zweiten fast. Dann war es 14.30 Uhr und in Anbetracht unserer Überstunden und einer eventuellen Nachtschicht hörten wir auf. Während des Nachmittages spielten wir mit meinem Videospiel. Abends fuhren wir an der holländischen Küste vorbei, passierten Vlissen und warfen dann auf der Reede vor Antwerpen den Anker. Gegen 23.00 Uhr sollten wir einlaufen. Darum ging ich bereits um 21.00 Uhr in die Koje. Ich stellte den Wecker, war mir aber sicher, dass ich von selber wach werden würde. Als ich dann das nächste Mal auf die Uhr schaute, war es 23.00 Uhr durch. Sören kam von der Wache, machte das Licht an und stieg ebenfalls in seine Koje.
„Laufen wir denn heute nicht mehr ein?“ fragte ich ihn.
„Wir werden wohl noch vier bis fünf Stunden hier liegen. Da geht uns ein halber Tag verloren. Gute Nacht!“ meinte er und schaltete das Licht aus. Na schön, da konnte man ja in Ruhe weiter schlafen.


Donnerstag, den 17.7. - Antwerpen

Um 6.30 Uhr wurden wir geweckt. Sofort hinaus und die Fender an der Backbordseite besetzen, hieß es. Backbord sollte nicht nur die Landseite werden, sondern auch in der Schleuse anliegen. So geschah es. Dann kam für den Lotsen und seinen Rudergänger das schwierigste Stück: Es galt eine Hafeneinfahrt zu passieren, die nur etwa 10 Meter breiter war als unser Schiff.
Glücklicherweise war die See spiegelglatt. Trotzdem liefen zwei Lehrlinge, Uwe und Stefan, jeder auf einer Seite des Schiffes entlang und führten einen Holzfender mit. Sie wurden aber nicht gebraucht. Das Anlegen gelang nach zwei mißglückten Wurfversuchen mit der Wurfleine, endlich! Sofort wurde ans Ablaschen gegangen. Vier von den 12 geladenen PKW sollten raus und in zwei andere Luken geschafft werden. In die Luke, die so frei geworden war, wurde Malz in Säcken eingestaut. Alles verlief recht zügig, so dass wir zum Mittag fertig waren.
Da der Donnerstag aus alter Tradition „Seemannssonntag“ ist, brauchten wir nach dem Mittagessen nicht mehr zu arbeiten, sondern konnten Landgang anmelden. Dieses Mal sah es auch gut aus. Der Elektriker wollte mich mitnehmen, aber dann wollten Detleff und Olaf ebenfalls mit, doch der gute Mann wollte sich nicht mit so vielen Begleitern belasten. So mussten wir uns entscheiden. Da ich keine Franken mehr bekommen hatte, also ohne Geld dastand, schien es bereits entschieden. Es wurmte mich zwar, weil Olaf eine doppelte Menge besaß, aber „bei Geld hört die Freundschaft auf“, so auch bei ihm! Schweren Herzens fand ich mich damit ab und begann, mit den anderen Zurückgebliebenen Tischtennis zu spielen.
Plötzlich ging die Tür auf und Uwe rief mich heraus. Nichts geht über wahre Freunde! Er hatte noch zwei Begleiter ausfindig gemacht und bot mir jetzt an, mit Karstens Geld mitzukommen. Selbstverständlich!
Nach eineinhalb Stunden mühsamen Fußmarsches befanden wir uns dann endlich in der Stadt. Unsere beiden Motorenwärter trennten sich sofort von uns, was uns auch recht war, und wir versuchten, das Zentrum zu erreichen. Zuvor allerdings tauschte Uwe 10,-DM in 204,- Franken, so dass wir nun doch nicht so ganz ohne dastanden. Wir zogen durch verwinkelte Gäßchen und Straßen. Überall bunte Reklamebilder in allen Formaten. Viele kleine Läden, ähnlich wie in Ungarn oder Bulgarien, wo die T-Shirts teilweise draußen hingen und man im Geschäft selber kaum Platz zum Umdrehen fand. Und in jedem Laden Recorder und Uhren, egal, ob es sich um einen Kleinwarenhändler oder einen Textilienladen handelte.
Und noch eine Überraschung: Nicht nur, dass die Menschen hier Deutsch und Englisch verstanden, nein, wir fanden sogar eine ganze Straße, in deren Geschäften die Verkäufer fließend Russisch sprachen...
Schließlich kauften wir uns einige Ansichtskarten, setzten uns unter einem Baum auf eine Bank und beschrieben sie. Dann brauchten wir nur noch eine Post - die wir nicht fanden! Dafür stießen wir endlich auf das Stadtzentrum mit seinem Dom und
dem Rathaus, vor dem alle europäischen Staatsflaggen gehißt waren. Hier befand sich auch die Touristeninformation.
Wir fragten nach einer Post. Auf einem Stadtplan zeigte uns die gute Frau eine und meinte:
„Ist die einzige, jetzt aber zu!“ - Toll! Hmh.
„Und wo bekommen wir Briefmarken?“ - Überall, wo es Ansichtskarten gibt, versicherte sie, aber nur mit der Karte! Und wie teuer ist es ins Ausland, in die DDR? Das letzte ignorierte sie:
„Nach Deutschland, hier Preise, Karte mit mehr als fünf Wörtern 13 Franken.“ - „Nicht Deutschland, DDR!“ - Nein, nein, das sollte so stimmen. Neben uns stand ein älterer Herr, der, als er merkte, dass wir nicht weiter kamen, ihr mit den Worten „Da ist nämlich ein großer Unterschied“ den Zettel aus den Händen nahm. Dann zeigte er uns, dass DDR wohl unter „sonstige Länder“ fiel und somit 24 Franken kostete! Na, das wäre was geworden.
Wir unterhielten uns noch eine Weile mit diesem freundlichen Herrn aus Westberlin, der hier in Belgien seinen Urlaub verbrachte, bedankten uns höflich und suchten den nächsten Eckladen auf, um Briefmarken mit einer Karte zu erwerben. Ich suchte mir also eine möglichst ansehnliche heraus und wir gingen hinein. Der Verkäufer konnte ganz gut Deutsch und ich verlangte 12 mal 13er Marken. 175 Franken sollten wir zahlen. Er nahm die 6,-DM von Uwes restlichem Hartgeld, welches keine Bank einwechseln wollte für 120 Franken, ich schüttete mein Portemonnaie aus und gab den Rest in harten Franken ohne darauf zu achten, dass es 20 zuviel waren. Was ich erst später bei Nachrechnungen feststellte. Nun, bei dem damaligen Kurs von 1:20 kein allzu großer Verlust.
Wir steckten die Karten in einen Briefkasten und zogen in Richtung Treffpunkt los. Für den gesamten Rückweg brauchten wir jetzt nur eine Stunde, hatten so aber wieder das teure Busgeld gespart. Es war anstrengend gewesen, sechs Stunden auf den Beinen zu sein, aber es hatte sich gelohnt. Antwerpen ist ein schönes „Städtchen“.
Abends sahen wir uns erstmalig zwei Videofilme an, bis wir gegen Mitternacht in den Kojen lagen.


Freitag, den 18.7. - Im Kanal

„Es ist 3.15 Uhr! In 10 Minuten ‚Klar vorn und Achtern!’“
Davon wurde ich wach. Wie in Trance stand ich auf und zog mich an. Im Stillen beneidete ich Sören. Er hatte einen festen Brückenwachdienst und brauchte erst um 7.00 Uhr aufstehen. Für mich war diese Nacht ein bißchen zu kurz ausgefallen. Ich stellte mich abschließend noch vor das Waschbecken und versuchte mit kaltem Wasser meine Augen zu öffnen. An der frischen Luft draußen  wurde es besser. Um 3.30 Uhr legten wir in Antwerpen ab.
Nachdem wir auch die Hafenschleuse, etwa eine Stunde später, glücklich passiert hatten, durften wir für eine Stunde ins Bett. Ich war schon fast drin, da meinte Gen. Müller doch:
„Es lohnt ja nicht mehr, auf zur Arbeitsverteilung!“ - Also, bei allem guten Willen, da fluchte ich ganz gewaltig - natürlich nur in Gedanken.
Während des Vormittags laschten wir die letzten Güter und machten dann mittags, wegen der angefallenen Überstunden, Feierabend.
An diesem Tag fuhren wir an den Küsten Belgiens und Frankreichs vorüber, sahen teilweise sogar Englands Küste.
Immer noch hatten wir gutes Wetter und kaum Seegang. Die kleinen Wellen reichten gerade aus, das Schiff nicht ruhig liegen zu lassen. Bis 16.00 Uhr schliefen wir. Zum Abendbrot ging das Gerücht einer Sturmwarnung in der Biskaya herum. Aber niemand wußte etwas Genaues.
So sehr beeindruckte mich der Kanal nicht. Wenn man nicht wüßte, wo man gerade fährt, könnte es auch die Ostsee sein. Aber wir wollten ja nach Südamerika!
Übrigens sind jetzt die drei Reifenfender fast fertig. Es wird auch langsam Zeit, zwei Holzfender haben wir in der Schleuse verloren: Den ersten holten wir nach dem Hineinfahren nur noch als Bruchstücke wieder an Deck, und der zweite verkantete sich beim Herausfahren an der Bordwand, und der Tampen wurde an mehreren Stellen fast durchgescheuert.
Einzig auffallendes Merkmal des Kanals: Ein lebhafter Verkehr mit mehr als ein Dutzend Fahrzeugen in Sichtweite, wobei wir die meisten überholten. Unsere Reisegeschwindigkeit liegt bei ungefähr 18 Knoten, was etwa 32 km/h sind. Wie langsam müssen die anderen erst sein?
Vorhin kam eine Borddurchsage: In der folgenden Nacht sollen alle Borduhren um eine Stunde zurückgestellt werden. Das ist vorteilhaft, da können wir eine Stunde länger schlafen!
Außerdem hatten wir heute die zweite Transitausgabe. Endlich bekam ich Schokolade und Salzstangen.


Sonnabend, den 19.7. - In der Biskaya

Früh um acht fuhren wir in den Golf von Biskaya. Von Sturm keine Spur. Bis zum Mittag machten Uwe und ich Reinschiff, während der Rest der Besatzung das Ladegeschirr labsalbte. Nachmittags kamen Reiseinformationen über Bordfunk:
Durchschnittliche Reisegeschwindigkeit 17,5 Kn, der Abstand zur französischen Küste betrug 70 sm, also etwa 126 km. Die Schiffsbewegung nahm zu, trotzdem schien der Seegang kaum der Rede wert zu sein.
Es gab neue Arbeit. Gen. Müller bestellte Uwe und mich zum Kran nach achtern. Mit Sicherheitsgurt und -leine ausgerüstet bestiegen wir den waagerecht liegenden Ausleger und säuberten ihn mit Verdünnung und Lappen von größeren Fettflecken. Bis zum Feierabend um 16.00 Uhr schafften wir gut die Hälfte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten turnten wir bald verwegen und uns kaum festhaltend
am Kran herum. Natürlich gönnten wir uns auch mal einen Blick übers Meer. Ja, jetzt fuhren wir auf dem Atlantischen Ozean! Ein Ozean, so blau, so herrlich schön und klar tiefblau, wie ich es noch nicht gesehen hatte! Märchenhaft sauber wirbelte die Schraube das Wasser kraftvoll hoch. Wenn man weiter hinaus blickte, erschien der Ozean dunkelblau-grau bis schwarz und wirkte ohne die weißen Gischtschäume der Wellen schwer und ruhig.
Als ich unter der Dusche stand, kam plötzlich der Ruf „Bootsrolle“ und „Schnell, zieh dir was über und nimm deinen Rettungsanzug mit hoch!“ Rasch zog ich mir ein Trikot an und wollte schon zum Rettungsanzug greifen, da stutzte ich. Ist es wirklich möglich, die Alarmklingel unter der Dusche nicht zu hören? Schnell sprang ich zur Tür und sah gerade noch, wie Karsten in der Nebenkammer verschwand. Alles klar. Ich ging zurück unter die Dusche. Ganz so zufrieden schienen mir meine „Freunde“ nicht zu sein ...
Nach dem Abendbrot fanden der Handtüchertausch und die Getränkeausgabe statt. Uwe brauchte wieder eine Kinotesin-Tablette von mir - gegen Unwohlsein. Bei der Gelegenheit nahm ich auch eine.
Verzweifelt suchten Sören und ich dann das Tele-Spiel, welches an Bord sein sollte, konnten es aber selbst mit Hilfe des II.NO, des Funkers und des E-Mix nicht auftreiben. Um 19.30 Uhr war Kinozeit. „Der Leopard und die Lady“ - in schwarz/weiss, mit den üblichen Aussetzern, die so ein Vorführgerät nun mal an sich hat.
PS: Letzten Informationen zufolge sollen wir morgen früh das letzte Land sehen können, das spanische Kap Finisterre.
Für das Arbeiten am Kran gab es 20 Pfennig Zuschlag pro Stunde. Da wir die nächste Woche ab Dienstag den Kran auch streichen, werden sich die Finanzen etwas aufbessern lassen.


Sonntag, den 20.7. - Atlantischer Ozean

„Mahlzeit Besatzung und Guten Appetit beim Eisbein. Soeben wurde es 11.40 Uhr. Wie gestern einige Reiseinformationen. Heute früh um sieben Uhr fuhren wir am Kap Finisterre vorüber. Jetzt sind wir auf Höhe der portugiesischen Stadt Porto, 80 sm entfernt. Gegen 22.00 Uhr werden wir uns auf der Höhe von Lissabon befinden. Der gegenwärtige Kurs beträgt 198°. Wir fahren mit einer Geschwindigkeit von 17 Knoten, die Außentemperatur liegt bei 20°C! Noch ein Hinweis: In der kommenden Nacht werden die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt. Die 12-Uhr-Wache wünscht einen schönen Nachmittag!“ - Währenddessen saß der größte Teil der Mannschaft in der Messe und ließ es sich schmecken.
Der Vormittag war beim Saubermachen vergangen. Nach dem Mittag kam die dazugehörende Kammerabnahme durch den Gen. Müller und wenig später saßen wir im Beratungsraum. Wir legten Uwe als Klassensprecher fest. Nebenbei besetzten wir noch FDJ- und Gewerkschaftsfunktionen. Ich übernahm gemeinsam mit Olaf den Bordfunk. Auf eine Frage nach unseren bisherigen Zensuren meinte Genosse Müller:
„Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Die Qualität läßt nichts zu wünschen übrig, auch die Arbeitsdisziplin ist in Ordnung. Auf die Quantität kommt es zu Anfang erst mal nicht so an, aber das geht im Großen und Ganzen auch. Morgen beim Unterricht kann ich ja eure Zensuren vorlesen! - So, das wäre es für heute. Bis nachher, zur Bordversammlung!“
Bis dahin tranken wir Kaffee und futterten wie die Raupen den Kuchen auf, so dass die letzten fast keinen mehr bekamen. Die Versammlung war lediglich eine große Belehrung über Konservierungsarbeiten. Danach setzten wir uns aufs Sonnendeck und spielten „Mensch, ärgere dich nicht!“ Als ich zum Abendbrot in die Messe kam, traute ich meinen Augen kaum. Was dort in den Glasschalen auf dem Tisch stand, waren Muscheln! Rohe, eingesäuerte Muscheln! Noch nie hatte ich dergleichen gesehen oder gar gegessen. Aber mit der Zeit schmeckte es sogar!
Nach dem Essen begaben Sören und ich uns in den Beratungsraum, an dessen Fernseher auf einmal das Telespiel angeschlossen war. Wir spielten uns fest. Sören war eindeutig der Bessere, und ich freute mich über jeden einzelnen Punkt, den ich erreichte.


Montag, den 21.7.

Wieder stellten wir die Uhren um eine Stunde zurück. Gleich nach dem Frühstück begannen wir mit dem Unterrichtsthema „Korrosionsschutz“. Vorher allerdings schrieben wir noch eine Arbeit. Ich muß sagen, wir sahen alle ziemlich mies aus. Wir saßen oben im Beratungsraum. Es war wirklich ein sehr trockener Stoff, der Korrosionsschutz.
Um 11.40 Uhr kamen von der Brücke wieder Informationen: 4500 sm vom Land entfernt, Kurs 198°, 17 kn, 21° Lufttemperatur und 23° Wasser. Dazu der Hinweis, dass wir morgen gegen Mittag wohl die Kanarischen Inseln passieren würden. Von den Matrosen wurde uns ja bereits seit einigen Tagen versprochen, dort Kanarienvögel zu fangen. Selbstverständlich glaubte das niemand, hoffe ich wenigstens. Seit gestern hängt eine Botschaft von Neptun aus: ER gibt die Äquatortaufe bekannt! Heute nun durften wir uns „Tauffrisuren“ aussuchen. Und was es da alles gab! Halbe und ganze Glatze, die Skalplocke, englischen Rasen, Seeteufelchen und noch viele andere „schöne“ Frisuren, so recht dazu angetan, uns auf die Taufe zu freuen.
Nach dem Abendbrot brachte uns Gen. Müller unsere Arbeiten wieder. Viele Worte verlor er nicht: „Genosse Schrader, verteilen Sie doch mal die Wissensergüsse ihrer Kameraden! Das ist kein guter Start!“ - Oho, das sah ja wirklich nicht rosig aus. Eine Fünf ging ja noch, aber bloß eine Handvoll Dreien und der Rest Vieren, das traf uns doch ziemlich hart!


Dienstag, den 22.7. - Kanarische Inseln

Den ganzen Tag über arbeitete ich mit Uwe am Kran. Wir bekamen ihn leidlich sauber, entrosteten ihn und setzten den ersten Anstrich drauf. Mittags passierten wir die Kanarischen Inseln, fuhren etwa 13 sm südlich von Teneriffa, oberhalb von Las Palmas entlang. Leider war die Sicht nicht so gut. Die Sonne strahlte zwar fast senkrecht herab, aber es wurde kein klarer Himmel und der Horizont blieb diesig. Unser Kurs wurde leicht nach Westen geändert, dadurch „schlängelten“ wir uns durch die Inselgruppe und gelangten gegen Abend wieder auf offene See. Die Inseln sahen gewaltig aus. Wenn man einen sachten, hügeligen Anblick erwartete, so staunte man nicht wenig über die unverhofft bizarren und steilen Felswände.
Tagsüber prüfte Gen. Müller jeden einzelnen von uns im Knoten und Faßanschlagen. Einer meiner schlechtesten Auftritte folgte, wenn ich das mal so vorsichtig ausdrücken darf! Ich blamierte mich bis auf die Knochen und wurde der Schlechteste mit einem Zensurendurchschnitt von 3,0 - bei 38 Zensuren. Für jeden nicht gebrachten Knoten gab es eine Fünf, höchstens noch eine Vier. Etwa die Hälfte beherrschte ich nicht so gut, dass es mir nach mehreren Versuchen geglückt wäre. Nach den ersten drei Versuchen, die ich vertat, meinte Gen. Müller auch noch „Na, immer schön ruhig bleiben! Sie sind wohl kein Prüfungsmensch, wie? Wir sind doch hier unter uns, stellen Sie sich mal Ihre Situation in der Facharbeiterprüfung vor!“
Also, das fand ich nun doch komisch. Denn so ruhig war ich sonst kaum. Hier wußte ich nämlich genau, was ich konnte und was nicht! Und mit einer 2 oder 3 rechnete ich auch im Stillen. Allerdings wurde ich unsicher, als ganz selbstverständliche und extra geübte Knoten wie der Palstek oder der Kalmückenknoten einfach nicht klappten. Und später bei der Arbeit immer wieder der Gedanke, dass ich für dieselben Knoten schon Einsen bekommen hatte!
Für die anderen war ich den ganzen Tag über nicht gut ansprechbar. Erst abends, allein in der Kammer, nachdem ich die Faßanschläge und Stropverkürzungen wiederholt hatte, wurde ich zuversichtlicher. Jetzt konnte ich einer Nachprüfung standhalten. Wir werden sehen, am Donnerstag.

Übrigens: 10 Minuten nachdem ich mit der 3 vom Knoten kam, saß ich in der Kammer und machte Palstek und Kalmücke wieder anstandslos. Aber das glaubt wohl keiner.


Mittwoch, den 23.7.

Ich vergaß gestern in meiner Aufregung völlig, die Bordversammlung zu erwähnen, die um 15.00 Uhr stattfand. Es wurden verschiedene Gremien gewählt: Die SGL, also die Schiffsgewerkschaftsleitung, die Konflikt- und die Hygienekommision. Dann wurden wir über alles belehrt, was die südamerikanischen Zoll-, Hygiene-, Wach- und Landgangsbedingungen betraf.
Olaf und ich sind jetzt offiziell für den „Bordfunk“ verantwortlich. Ich denke, wir werden uns gut einspielen.
Wieder arbeiteten wir am Kran. Den größten Teil konnten wir entrosten, dass heißt, wir hatten geklopft. Abstechen und Bürsten mussten wir auf den nächsten Tag verschieben. Zum ersten, und sicher nicht zum letzten Mal, waren Gen. Müller und der Bootsmann nicht zufrieden mit uns. Wenn sie an die Quantität vorerst noch keine Ansprüche stellten, dann wollten wir doch wenigstens Qualität vorzeigen können! Wir fanden dies insofern ungerecht, da wir nach Erfahrungen über andere Lehrlinge beurteilt wurden, selbst aber nicht wußten, wieviel wir eigentlich schaffen sollten. Dafür lohnte es sich nicht, „Kopf und Kragen“ bei halsbrecherischen Aktionen am Kran oder am Ausleger zu riskieren! Wir mussten sogar auf einer ausziehbaren Alu-Leiter stehend akrobatische Übungen vollziehen, um auch an die Unterseite des waagerecht liegenden Auslegers heranzukommen. Nur wußte man bei dieser Leiter nie, wann sie umkippt, zusammenbricht oder wegrutscht!
Über all diese Themen unterhielten wir uns abends. Die „Viktoria-Bar“ hatte zum ersten Barabend der Fahrt eingeladen. Es wurde gemütlich, und dass die Lehrlinge um 22.00 Uhr bereits gehen mussten, störte mich nicht. Diese Feier sollte noch bis tief in die Nacht hineingehen, was man am kommenden Morgen auch merkte...
Übrigens kam Karsten mit dem Swimmingpool gut voran. Heute hat er ihn gespritzt. Wahrscheinlich werden wir morgen anbaden können.


Donnerstag, Seemannssonntag, den 24.7.

Als wir gestern Mittag die Kanarischen Inseln passierten und dabei die Insel Teneriffa in 13 sm Abstand sahen, dachte ich, es wäre vorläufig das letzte Land. Aber heute musste ich diesen Irrtum eingestehen: Wir hatten die Kapverdischen Inseln auf unserem Kurs.
Bis zum Mittag arbeiteten Uwe und ich angestrengt und schafften so den ersten Anstrich fast völlig. Zum Mittag gab es Entenbraten, Eis und Reiseinformationen! 24° C Luft, Wasser des Atlantischen Ozeans 24°C, Luftfeuchtigkeit im Gegensatz zu gestern (82%) heute nur 70% und der Kurs lag bei 209°.
Dass wir uns dem Äquator näherten, sah ich an der Sonne. Mittags stand sie direkt über uns, und viele hatten bereits einen leichten Sonnenbrand. Die Sonne direkt im Zenit! - „Selten, so ein Anblick!“, meinte Uwe, als ich ihn darauf aufmerksam machte.
Und nach dem Essen ging‘s groß in den Swimmingpool! Es war wirklich schön. Sauberes, salziges, hellblau-grünliches Ozeanwasser! Und ich möchte behaupten, der Salzgehalt des Schwarzen Meeres ist kaum geringer. Auch hier brannte es scheußlich in den Augen, so dass man alle zehn Minuten unter die Süßwasserdusche musste. Lange hielt ich es dort nicht aus. Uwe und ich zogen dann mit Fotoapparaten ausgerüstet auf die Back. Eine halbe Stunde standen wir dort und starrten durchs Objektiv auf die Wasseroberfläche. Unsere Ausdauer wurde nur mäßig belohnt: Lediglich ein knappes Dutzend
„fliegender Fische“ sahen wir. Einige sind nun verewigt! Abends sahen wir sogar eine Delphinschule durchs Wasser springen. Leider war es da zum Fotografieren schon zu dunkel. Aber wir sehen bestimmt noch mehr!
Zum Kaffeetrinken gab es ein Stück Quarktorte. Anschließend wurde von jedem Besatzungsmitglied ein Paßbild gemacht, für die südamerikanischen Hafenbehörden. Danach zog es mich in den Funkraum. Hier stand das „Funkstudio“ mit Video- und Tonanlage. Bis in den späten Abend hörte ich mir Bänder an. Viel gute Musik war nicht dabei.


Freitag, den 25.7. - Auf See

Ich muß sagen, nach den ersten paar Anranzern wird man auch aus den uns gegebenen Anweisungen schlau! Und dann klappt’s sogar! So wie heute. Wieder arbeiteten wir am Kran, und ich denke, mit dem ersten Schlag werden wir morgen fertig sein und den zweiten bereits ganz gut angefangen haben.
Mittags gab es wie üblich die Reiseinformationen: Luft 27°C, Wasser 27°C. Die nächste Landentfernung: 5000 Meter - unterm Kiel ... wir unterbrachen die intensive Beschäftigung mit dem Mittagsteller, um anerkennend zu grinsen.
Nachmittags wurden die Wellen doch schon etwas größer. Hin und wieder regnete es auch mal kurz, so dass wir unsere Arbeit unterbrechen mussten. In einer dieser Pausen wurden Uwe und ich in den Maschinenraum hinunter geschickt. Wir sollten dort die Wände waschen. Es war im Grunde eine leichte Arbeit, und den Maschinenlärm verkraftete man auch. Schlimm war es dort aber mit der Hitze! Schon wenn man nur mal hindurch ging, standen einem die Schweißtropfen auf der Stirn. Mein T-Shirt hängte ich nach dieser halben Stunde in den Trockenraum.
Nach dem Abendessen, bei dem ich 8 Hefeklöße aß, und so den Bordrekord an mich riß, war um 19.15 Uhr unsere erste FDJ-Versammlung, die schon 30 Minuten später zu Ende ging. Trotzdem waren wohl alle wichtigen Probleme gelöst. So sollte man auch an Land versuchen, es in den Griff zu bekommen!
Der Abend verging mit Video und Musik. In der O-Messe saßen derweil die „Täufer“ unserer Äquatortaufe beisammen und dachten sich die interessantesten Taufmethoden aus, mit denen wir Lehrlinge und andere „Landratten“ von „unseren Sünden“ gereinigt werden sollten! Nebenbei floß das Bier nur so ...

Übrigens : So langsam färben sich auch die letzten von uns rot bis bräunlich. Es macht schon was aus, den ganzen Tag in der Sonne zu arbeiten!


Sonnabend, den 26.07. - Immer noch auf See

Und nichts Besonderes passiert!
Bis 16.20 Uhr schafften wir endlich den 2. Schlag Farbe aufzutragen. Ganz eindeutig arbeiteten wir, insbesondere ich, zu langsam. Da war es auch nicht mehr dadurch zu entschuldigen, dass ich es zum ersten Mal tat oder ähnliches. Nein, sogar ich war mit mir unzufrieden!


Sonntag, den 27.07. - Am Äquator

Etwa gegen Mittag passierten wir den Äquator. Nichts besonderes weiter. Nach dem Mittagessen fand eine kurze Monatsauswertung statt, mit dem Ergebnis, dass wir uns alle mächtig mehr ins Zeug legen müßten!
Abends Karstens und Gen. Müllers Geburtstagsfeier. Anfangs hatte ich keine Lust, mich dort „aufzuschießen“. Schließlich wurde ich aber in meiner Kammer so trübsinnig, dass ich es doch vorzog, in die Messe zu gehen. Nachdem ich es dort eine halbe Stunde ausgehalten hatte, eigentlich war es ja recht gemütlich, aber ich war in anderer Stimmung, ging ich hinaus an die frische Luft.
Jetzt, wo es mit meinen Zensuren nicht zum Besten stand, dachte ich viel an zu Hause. Wahrscheinlich erschienen mir die Probleme dort leichter zu lösen als hier. Diese unsinnig trübe Stimmung musste ich einfach loswerden. Das merkte ich. Also nahm ich mir die Zeit und schaute hoch zum Sternenhimmel. So voll hatte ich ihn noch nie gesehen. Mich umgab ein herrliches Panorama: Im Vordergrund das Schwergutgeschirr, angeleuchtet von der achteren Topplaterne; an den Seiten die weiße Gischt der Wellen und über allem die funkelnden Sterne. Plötzlich eine Sternschnuppe. Schnell wünschte ich mir für die Zukunft Glück. Ich wußte, dass ich dies jetzt am meisten brauchte. Ich stand noch lange da, bis ich mich etwas ausgeglichener fühlte. Dann ging ich schlafen.


Montag, den 28.07. - 5° südliche Breite

Gleich die mündliche Leistungskontrolle warf alle meine guten Vorsätze über den Haufen. Wie immer in solchen Fällen fragte er mich natürlich das, was ich nicht wußte! Jetzt reichte es mir. Völlig fertig saß ich im Sessel und folgte seinen weiteren Lehrübungen.
Nachmittags gab es dann doch wieder einen kleinen Lichtblick. Das Ladegeschirr bereitete mir, wie früher schon, keine allzu großen Schwierigkeiten, so dass ich auf eine Kontrollfrage auch mal richtig antwortete...

Ich glaube, ich sehe doch alles ein bisschen zu schwarz. Morgen ist die Wiederholungsleistungskontrolle im Knoten für mich. Danach werde ich ja sehen!



                                                                     2. Kapitel

Mittwoch, d. 30.07. - ein Tag vor Rio

Bei der Arbeitsverteilung gab ich meinen Tätigkeitsbericht ab. Und dann hieß es wieder: An den Kran die Genossen Schrader und Dietrich! Welch eine Freude. Dieses Mal sollten wir uns Cremefarbe organisieren und den Ausleger entlangrutschen, um alle Ecken zu pinseln. Der „Rest“ wurde von Gen. Krause gerollt, für’s Spritzen war es wohl zu windig.
Doch zuvor meine lange gewünschte und öfter hinausgeschobene Wiederholungsleistungskontrolle im Knoten! Eigentlich war ich mir ziemlich sicher. Und wenn es wieder ein Reinfall werden würde, wäre ich erledigt. In jeder Hinsicht: Privat wie auch in den Augen des Kollektivs, allen voran Gen. Müller. Und dann ging’s los. Ein Knoten nach dem anderen klappte. Und dann wieder der verruchte Palstek. Glücklicherweise bemerkte ich meinen Fehler sofort und konnte mich so auf die Drei retten. Zwei Faßanschläge wurden aber doch wieder eine Fünf. Mann, was wurde ich da nervös, aber es waren die letzten, sonst hätte ich mir mit meiner Aufregung dieses Mal wirklich alles verdorben.
Mit einem Durchschnitt von 2,2 kam ein glücklicher und zufriedener Mensch zur Arbeit. Jetzt musste nur noch der Bericht gut sein und meine Stimmung wäre famos!
In der Frühstückspause, hier Smoketime, bekam Uwe seine Arbeit wieder. Eine Vier! Ohgottohgott - dachte ich bei mir, wie werde ich dann wohl abschneiden?
Nach dem Smoketime sahen wir zum ersten Mal Land. Leider war die Sicht nicht besonders gut. Nach dem Mittag war für uns heute Schluß. Wir zogen den Seemannssonntag vor, da wir morgen Nachmittag wohl in Rio einlaufen werden.
Wir spielten wieder fürchterlich viel Tischtennis. Abends schrieb ich Briefe. Viele nutzten die Möglichkeit: Der Alte nahm diese Briefe mit zur Agentur und mittels eines bestimmten Postabkommens konnten diese an Bord geschriebenen Briefe mit DDR-Briefmarken per Luftpost befördert werden, was uns natürlich wertvolle Valuta sparte!

Donnerstag, d. 31.07. - Rio de Janeiro

Wieder stellten wir die Uhren um eine Stunde zurück.
Bis 15.00 Uhr turnten wir am Ladegeschirr - ich will es mal so vorsichtig ausdrücken: Es war wieder ziemlich windig. Eine steife Brise wehte direkt von vorn und man hatte Mühe, auf den Mast zu kommen. Ich jedenfalls wurde öfter stark zur Seite weg gedrückt. In 30 Meter Höhe dann auch noch zu entrosten und zu malen ist schon fast die richtige Arbeit für angehende Stuntmen!
Den ganzen Tag über bekamen wir eine steile Felsenküste zu sehen. Das schöne Blau des Ozeans hatte sich mittlerweile in ein sattes Grün gewandelt.
Nach 15.00 Uhr Kaffeetrinken. Und dann fuhren wir in den ersten südamerikanischen Hafen ein!


-                                                                        Rio de Janeiro -
 
Wir fuhren in eine große Bucht, die malerisch von hohen Gebirgen eingerahmt war. In den Schluchten und an die Felsen gelehnt
standen dichte Häusergruppen. Von Wolkenkratzern bis zur Elendshütte schien hier alles vertreten. Dazwischen schlängelten sich die Straßen und Gäßchen, auf denen reger Verkehr herrschte, ebenso auf dem direkt am Wasser liegenden Flughafen. Alle paar Minuten landete oder startete ein Jet. Das Herausragendste aber war die Brücke, welche sich längs durch die gesamte Bucht zog und etwa 14 km lang war.
Während des Anlegemanövers konnten wir zum ersten Mal erleben, was Brasilianer eigentlich für Menschen sind. Dunkel gebräunt, in abgetragenen Arbeitssachen, aber viel zuvorkommender und freundlicher als andere Festmacher.
Kaum hatten wir die Gangway hinunter gelassen, kamen etwa ein Dutzend Männer hoch: Jeder im Anzug und mit großer Aktentasche! Die Behörden.
Nach dem Abendbrot gab es unser Taschengeld. Leider musste ich 30,-DM umtauschen, da unser Funker keinen anderen Scheine als die 100.000er hatte. Die Währung hier heißt Cruzeiro, zur Zeit jedenfalls. Und der Kurs liegt bei etwa 100.000 = 15,-DM. Da lief ich also mit 200.000 in der Tasche herum! Dass das nur 30 Mark waren, braucht ja keiner zu wissen. Kurz darauf kam die Post: mehrere Briefe der Familie...
Und das Beste zum Schluß: Wir bekamen unsere Berichte zurück. „Gerade noch 1“ stand da bei mir auf der letzten Seite. Vor Freude wäre ich fast an die Decke gesprungen! Ja, ich habe mir viel vorgenommen, und diese Zensur ist ein ungeheuer guter Anfang dafür.
Abends um 20.00 Uhr begannen die Hafenarbeiter mit dem Entladen. Morgen werden wir wahrscheinlich eine Stadtrundfahrt machen - einfach Klasse!


Freitag, d. 01.08. - Stadtrundfahrt durch Rio

Nach dem Frühstück wußten wir zuerst einmal überhaupt nicht, was wir machen sollten. Um 09.30 Uhr sollte angeblich die Busfahrt durch Rio beginnen. Aber was tun bis dahin? Dann trafen wir uns im Beratungsraum, und Gen. Müller erklärte:
„Wie Sie nun mitgekriegt haben, ist heute eine Stadtrundfahrt. Wir werden wohl fünf Stunden unterwegs sein. Es können alle mit außer den drei Mann Wache. Die werde ich dann aber beim nächsten Mal, wenn so etwas anliegt, bevorzugen! Es wird Sie eventuell 15 bis 20 Mark kosten, wem das zuviel ist, der kann auch hierbleiben.“ - Da sich niemand meldete, schloß er ab mit:
„Wir steigen dann um 09.00 Uhr in den Bus.“
Der unscheinbare grüne Diplomatenbus begann seine Fahrt durch die Stadt. Natürlich mussten wir zuerst das Hafenviertel durchqueren. Eine Unmenge Fahrzeuge befand sich auf der vierspurigen Straße, darunter viele Busse, aber kaum besetzt. Waren sie zu teuer? Überall, wohin man sah: Grau in grau, Schmutz auf allen Straßen. Auch die etwas solider wirkenden Häuser waren schmutzig. Unser Busfahrer hielt vor einem riesigen Stadion. Das bekannteste im Land, und das größte in dieser Stadt! Wir gingen also zum Eingang und erkundigten uns nach dem Eintrittspreis. Es sollte jeden 15.000 kosten. Nicht schlecht als Eintrittspreis, meinten wir und hielten ihm unsere 100.000er vor die Nase! Zum Glück konnte er nicht wechseln. Dem größten Teil der Besatzung war die Lust ohnehin schon vergangen. Da aber trotzdem einige „Steinreiche“ sich diesen Besuch nicht „verkneifen“ konnten, verbrachten wir unsere Zeit in einem wesentlich billigeren Sportmuseum der Nation, welches sich gleich nebenbei befand. Auch hier zückten wir unsere großen Scheine und da geschah ein Wunder. Die Kassiererin winkte lächelnd mit der Hand ab und sah weg, als wir eintraten. Jetzt endlich wurde klar, warum wir zu diesem Stadion gebracht worden waren: Fußball, Pele, Weltmeisterschaft! Unzählige Fotos, Wimpel, Fahnen, Pokale und vieles mehr zeugte von einer ruhmreichen Vergangenheit des brasilianischen Leders.
Unser Bus hupte, einsteigen, hinsetzen und weiter ging’s. Leider konnte unser Fahrer kein Englisch geschweige denn Deutsch, so dass wir nie wußten, was wir gerade bewunderten. Schließlich erreichten wir das Gebirge. Die Straße schlängelte sich zwischen Felsen, Palmen und Gebäuden bergauf und bergab und kam dabei keineswegs aus der Stadt heraus! Rio ist eine Millionenstadt, eine der größten von 42 Hafenstädten Brasiliens. Endlich durchquerten wir zwei Tunnel und in der nächsten Kurve hielt der Bus. Hier, direkt am Fels, war eine Art Plattform einbetoniert. Einige Verkaufsbuden standen dort. Dahinter ging’s abwärts: Strand und Meer. Jetzt erst bemerkten wir den Grund unseres Aufenthaltes. Hoch über der Stadt, auf einem Berg, stand das riesige Monument des segnenden Jesus Christus. Diese 38 Meter hohe Figur überragt alles! Leider war die Sicht nicht ausgezeichnet, aber zum Fotografieren mit Teleobjektiv reichte es noch. Die Apparate schnurrten wie bei einem Wettkampf.
Des Schauens müde begaben wir uns wieder auf unsere Sitzplätze. Übrigens herrschte während der gesamten Fahrt eine angenehme Ruhe im Bus, die nur durch das unregelmäßige Klicken der Fotoapparate unterbrochen wurde. Und wenn bei besonders schönen Aussichten auf die Stadt hinunter die Apparate summten, dass es eine Freude war, bremste der Busfahrer auch seine Geschwindigkeit.
Der nächste Haltepunkt wurde der Strand. Großspurig
wie Touristen betatschten wir kurz lässig die Palmen, stellten uns in Pose darunter und ließen so Dokumente für die Nachwelt herstellen.
Der Höhepunkt dieses fünfstündigen Ausfluges stellte dann
die Bahnfahrt hoch zum „Christus“ dar. „Höhepunkt“ ist dabei ruhig wörtlich zu nehmen: Mit etwa 700 Metern überm Wasserspiegel steht er nicht auf einem der kleinsten Berge hier. Eine Attraktion an sich war allerdings schon die Bahn. Mittels eines Zahnradantriebes gelingt es ihr, die ungewöhnliche Steigung zu bewältigen. Leider hingen die Wolken sehr tief, so dass der Gipfel im Dunst verschwand und wir auf Fotos verzichten mussten. Statt dessen schlugen wir bei den Ansichtskarten zu. Sie kosteten übrigens nur etwa 30 Pfennig. Und dann gab es da noch verlockende Dinge wie beispielsweise Sonnenbrillen, Schirmmützen, Dia-Sätze, Christus-Statuen in allen Preisklassen und - Eis! Ich überwand meinen Geiz und probierte. Als passionierter Eisesser muß ich den brasilianischen Speiseeisproduzenten meine Anerkennung aussprechen.
Wir fuhren mit der Bahn wieder hinunter zum Bus, der uns dann zum Schiff zurück brachte. Ermüdet, aber durchweg begeistert, begannen wir unsere Arbeit.

 

                                                                        3. Kapitel

Das nächste große Ereignis stand bevor: unsere Äquatortaufe!

Bereits bis zu diesem Tage mussten die armen Täuflinge ihren Ablaß geschrieben und in die Ablaßkiste geworfen haben. Wer das nicht tat, war an einer Sonderbehandlung selbst schuld. Nach einigen vergeblichen Versuchen brachte auch ich einige Verse zu Papier:

Großer Neptun, Dich und Deine Täuferschar
bitt‘ ich nun, lasset mir mein Haar!
Mich verfolgt seit Tagen schon
eine grausige Vision:
englischer Rasen versteckt sich unterm Hut,
doch so fühl’ ich mich gar nicht gut!
Ich sehe völlig ein:
Äquatortaufe muss schon sein.
Doch könnte ich den Barbier erweichen,
soll es ihm nicht zum Schaden gereichen.
Ich will da nicht groß sparen:
Ich spendier’ ne Flasche Klaren.
Auch der großen Täuferschar
bring ich eine Spende dar!
Seid ihr etwas gnädiger zu mir,
bezahl ich auch nen Kasten Bier.
Schließlich spendier ich, was allen schmeckt,
Dir Neptun, eine Flasche Sekt.
Ich hoffe, ich brauche Milde nicht zu missen,
und appelliere nun an euer Gewissen.
Man muß es ja nicht ewig riechen
und so vor sich hinsiechen!!!

Wenn mir nun auch nicht jeder Reim gelungen,
hoff ich, ist doch die gute Absicht durchgeklungen.
Ich schwöre: Wenn ich den Taufschein besitze
bin ich Neptun eine gute Stütze!

In Hochachtung vor Ihrer Majestät ...

So oder ähnlich klang es auch bei den anderen. Manche „spendierten“ mehr - viele weniger! Und so kam dann der


04.09.1986 - Donnerstag - Unsere Äquatortaufe

In dieser Nacht schlief ich sehr schlecht. Nachdem man uns abends bereits eine kleine Kostprobe der Täufermethoden gegönnt hatte, schreckte ich bei jedem Geräusch auf. Das Schlimmste war das Warten. Warten und warten und niemand weiß, was als nächstes passiert!
Sicherheitshalber schlief ich in Badehose und einem alten Trikot. Noch waren sie sauber...
Früh gegen sechs wurden wir geweckt. Die Tür wurde aufgestoßen, die Vorhänge und Bettdecken weggerissen und wir selbst unter lautem Gebrüll aus der Koje gescheucht.
„AUF  DIE  KNIE !“
In dieser Gangart sollten wir uns heute während des gesamten Taufaktes vorwärtsbewegen. Auf Händen und Knien rutschend, den Kopf bis zum Boden gesenkt, verließen wir die Aufbauten und hasteten in einer langen Reihe nach achtern zum Trockenraum. Unter dem Gebrüll und den Peitschenhieben der Täufer wurde es natürlich besonders lustig! Schließlich saßen alle 23 Täuflinge so gut es ging auf dem Boden des kleinen Raumes. Bis auf zwei: Sören und ich teilten uns den einzigen Tisch, der in einer Ecke stand. Der Vorteil: Wir konnten uns an der Wand anlehnen und die Beine ausstrecken! Die Tür fiel ins Schloß. Wahrhaft ägyptische Dunkelheit umgab uns. Wer weiß, wie lange wir hier ausharren mussten ...
„Die Heizung ist an!“ rief plötzlich jemand.
„Was meinst du, warum die Lüfter aus sind?“ antwortete eine zweite Stimme.
O-ja, langsam wurde es warm, schließlich unerträglich schwül. Ich verlor das Zeitgefühl, schätzte, dass wir bis jetzt etwa eine halbe Stunde hier drin saßen. Mittlerweile stand uns der Schweiß am ganzen Körper. Mit meinem Trikot fächelte ich mir vergebens Luft zu - es nutzte nichts! Und nach einem Abtrocknen dauerte es nicht lange, bis sich wieder ein Tropfen Salzwasser ins Auge verirrte. Jetzt hieß es, sich zusammenzureißen!
„Ist hier irgendwo ein Eimer oder so was ähnliches?“ fragte jemand. Natürlich gab es einen Eimer im Wäscheraum, leider aber zu drei vierteln gefüllt mit Handwaschpaste. So blieb auch ihm nichts anderes, als die Zähne zusammen zu beißen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Neben dem Eimer entdeckten wir sogar etwas zu essen: Zwei Brote, die jedoch so scharf gebacken waren, dass jeder Versuch, sie mechanisch zu zerkleinern, bereits im Ansatz sinnlos schien. Da ich aber ohnehin nichts anderes zu tun hatte, beschäftigte ich mich im Dunkeln damit. Schließlich, übers Knie gelegt und das Hebelgesetz voll wirken lassend, gelang es mir, die Kruste zu sprengen. Das Innerste war zu meiner freudigen Überraschung angenehm weich und durchaus genießbar! So schlug ich mir den Bauch voll und überließ die Hälften dann meinen armen Mittäuflingen. Manche hatten zwar Hunger, verspürten aber aus verständlichen Gründen kein großes Bedürfnis, etwas hinunter zu schlucken. Wieder andere zeigten einen so gesunden Frühstücksappetit, dass mir die Verteilung doch sehr gerecht vor kam.
Dann ging das Schott auf. Licht drang herein und Luft! Sofort zog es alle zum Spalt. Da kam etwas geflogen: Abfälle wie Kartoffelschalen und ähnliches. Unter lautem Geschrei wehrten die Täuflinge diese Geschosse ab. Auch hier erwies sich mein Platz auf dem Tisch als gut gewählt. Jedenfalls bekam ich nichts ab.
Kurz darauf wurde die Tür ein zweites Mal geöffnet. Dieses Mal kam eine Wasserdusche über uns. Im ersten Moment erfrischend, wenig später dampften wir nur so!
Schließlich öffnete sich das Schott, um einen aus unserer Mitte zu reißen. Zum „feierlichen“ Akt der Taufe wurde er gepeitscht...
Mittlerweile war es bereits neun Uhr durch. Der Storekeeper hatte uns das Schott zum anliegenden Waschmaschinenraum geöffnet gelassen. Wir siedelten über, erfrischten uns am lauwarmen Wasser aus der Leitung und schalteten die Lüfter an. Aber jedes Mal, wenn wir ein verdächtiges Geräusch hörten, zogen wir uns mit einem chaotischen Rückzug in unser stinkendes Dreckloch zurück.
Einer nach dem anderen kam zurück, wurde wieder herausgeholt und kehrte schließlich nicht wieder. Wahrscheinlich hatten sie die Taufe überstanden - nur wie? Als wir nur noch eine Handvoll Täuflinge waren und es auch schon auf Mittag zu ging, nahm ich mich zusammen und stellte mich in die Nähe des Außenschotts. Es öffnete sich und - Olaf wurde herausgeholt. Weitere 10 Minuten vergingen. Schließlich ging die Tür wieder auf und der Keeper winkte mir. Daraufhin steckte ich mir meinen mehrfach gewaschenen und so vom Salz befreiten Hering, den wir morgens jeder bekommen hatten, in den Mund.
Oben angekommen ließ ich mich auf alle viere runter und marschierte so auf die erste Station zu: den Wasserschlauch! Viele grausige Gerüchte gingen und gehen bis heute über den Wasserschlauch umher. Er ist das grausamste und verrufenste Folterinstrument der Täufer.
Den Gerüchten zufolge ist es ein bis zu sechs Meter langer Schlauch, durch den man lang ausgestreckt geradeso hinein passt. Bei dem Versuch, hindurch zu gelangen, wird einem von vorn ein C-Strahl Seewasser (salzig!) entgegengeschickt. Bei Übungen oder Lukenreinschiff habe ich öfter mit diesen Feuerlöschgeräten gearbeitet. Der Normaldruck ist so groß, dass es einen zwei Meter entfernt stehenden Mann umwirft.
Ist man dann ganz im Schlauch verschwunden, kommt von hinten auch noch so ein Wasserstrahl. Zusätzlich soll von oben mit Peitschen geschlagen werden... so lauteten die Berichte früher Getaufter!
Ich also zum Wasserschlauch. Etwas kürzer war er, etwa drei bis vier Meter. Aber tatsächlich so klein im Durchmesser, dass ich geradeso robben konnte. Ich stieg ein, krabbelte durch, ohne dass mir etwas passierte und kletterte heraus. Da traf mich der Strahl ins Gesicht.
Überrascht senkte ich den gesamten Körper auf den Boden und verharrte so bewegungslos. Da ertönte neben mir die Stimme Gen. Müllers - des Beichtvaters:
„... und hiermit taufe ich dich auf den Namen PLÖTZE!“ - Die Wasserbehandlung wurde eingestellt, und ich konnte meinen Hering wieder zwischen die Zähne nehmen.
Das nächste war das berühmt-berüchtigte Stinkefaß! In diesem 200-l-Faß befanden sich allerlei Essenreste, Schalen aller an Bord befindlichen Früchte, Fette, Schmiere, Expeller und viele andere schön stinkende und faulende Spezialitäten. Hineinsteigen und bis zum Hals untertauchen, hieß es. Hände hoch und rein in die Klemme, in der sich schon der Hals befand. Eine interessante Pose, nur etwas ungewohnt. Doch meinetwegen hätte ich es so eine Weile aushalten können.
„Na, wie viel bietest du denn?“ fragte mich unser Kabelede. Dummerweise hatte ich den Fisch im Mund, konnte also leider nicht antworten.
„He, brauchst du erst ne Sonderbehandlung, oder was?!“ - Auf diese dringendere Anfrage hin sah ich mich gezwungen, meinen mir lieb gewordenen Hering auszuspucken. Leider versank er sofort in der Jauche.
„Ach, ist dir dein Fisch verloren gegangen, wie schade! Warte, ich gebe dir dann einen schön frischen, salzigen...“ - Wie freute ich mich da. Schnell versprach ich eine Flasche Schnaps und erreichte so die nächste Station: die Streckbank. Hierfür wurde eine Stellage missbraucht.
Schräg auf die Reling gelegt, stellte sie ein äußerst raffiniertes Folterinstrument dar! Schmierig und glatt wie das Brett schon durch meine Vorgänger geworden war, wurde es ein akrobatisches Kunststück, überhaupt erst einmal hinauf zu gelangen - freiwillig, versteht sich. Und dann musste man sich auch noch selber festhalten! Denn ich wurde nur am linken Handgelenk festgebunden. Dass diese einseitige Aufhängung doch einige Nachteile hatte, musste ich mir eingestehen, als man begann, an meinen Beinen zu ziehen. Sofort versprach ich 10 Flaschen Bier und ließ dann los! Augenblicklich wurde ich losgebunden. Da der Folterstuhl noch besetzt war, ging ich erst einmal auf „Wartestation“, das heißt ich wurde an den Händen aufgehängt. Allerdings so, dass ich lediglich die Arme hochhalten brauchte aber doch recht gut stand. Manche von uns hüpften hier nur so auf den Zehenspitzen!
Auf dem Folterstuhl wurden mir die Haare geschnitten und (ich will es nicht verschweigen) eine kleine Kostprobe des Stinkefasses in die Badehose geschoben. (Die Hose musste ich daraufhin später Neptun für immer opfern.) Mit insgesamt zwei Flaschen Schnaps, 15 Flaschen Bier und einer Flasche Sekt konnte ich mich dann endlich hier loskaufen. Trotzdem musste ich später meine Frisur ändern, aber das war ja klar.
Abschließend kroch ich vor Neptuns Thron und „küsste“ die Schwimmflosse seiner Nixe. Warum war die bloß auch in das Stinkefaß gehalten worden - die Schwimmflosse, was sonst?
„Auf welchen Namen bist du getauft?“ fragte mich Ihre Majestät nun.
„Sprotte“ antwortete ich ohne Zögern. Verdutzt schaute Neptun erst mich, dann das vor ihm liegende Papier an.
„Das stimmt nicht! Zurück zum Wasserschlauch!!!“ - Ach herrje, den Namen verwechselt. Also noch einmal durch den Schlauch. Dieses mal wurde es nicht so glimpflich. Ständig schoss mir das Salzwasser entgegen. Eine weitere Flasche Sekt kostete mich mein „herrlicher“ Name!
Von Neptun erhielt ich endlich den „Freundschaftstrunk“ - dann war ich entlassen und konnte mich schrubben gehen. Aber um wenigstens noch ein paar Fotos zu machen, wusch ich mir lediglich die Hände, griff den Fotoapparat und lief wieder hinaus.
Gegen 13.00 Uhr gab es als Mittagessen eine sehr nahrhafte, absolut geschmacklose Haferschleimsuppe. Sie wurde mit Freude und viel Elan ebenfalls Neptun geopfert. Der dazugereichte Zwieback schmeckte auch nicht jedem. Glücklicherweise gab es noch ein Stück Kuchen auf den Seemannssonntag.
Nach dem Kaffeetrinken wurde das Achterdeck geschrubbt! Etwa zwei Stunden brauchten 15 Leute, um alles wieder sauber zu bekommen. Inzwischen hatten wir Täuflinge natürlich schon großen Hunger. Endlich wurde es Zeit fürs Abendessen! Ausnahmsweise aßen heute alle in der Mannschaftsmesse. Es gab Braten und Pilsner. Im Hintergrund feierliche Musik. Eine erhabene Sitzung. Bei leiser Unterhaltung wurde alles gegessen, was auf den Tisch kam, nur der saure Hering blieb liegen...
Um 19.30 Uhr begann der 2. Teil, der kulturelle Akt der Taufe. Wer hier nicht das Wohlwollen Neptuns errang, indem er ihn und die Täuferschar sehr gut unterhielt, musste auf seinen Taufschein verzichten! Die meisten rezitierten teilweise eigene Verse, die Stewardessen tanzten und die Lehrlinge: „... waren das Beste!“ laut Publikum. Nun, als erstes sangen wir 12 ein herrliches Liedel:

„Der Täufling is een armes Schwein
den könn se gar nich leiden ...“

Wir waren kaum zuende, da flog die Tür auf und Uwe kam zornbebend hereingestürzt:
„Wer hat mein Pferd grün angemalt?!“ brüllte er in den Saal. Unser Langer schob sich in den Vordergrund: „ICH!“ Uwe, eindeutig der Kleinste in unserer Runde, begann zu stottern:
„Ich w-wollte n-nur Be-scheid sagen, is trocken, Sie k-können dann lackieren.“ - Brüllendes Gelächter folgte.
Dann spielten wir einige Szenen aus der Praxis des Doktor Second. Auch hier brauchten wir unsere vorbereitete künstliche Lache vom Band nicht abspielen. Die Besatzung amüsierte sich großartig. Sören machte die nächste Ansage:
„Von Dr. Second nun zu unserer Praxis. Sie sehen jetzt Rudi Rosthammer mit dem Rostpistolenbreak!“ - Inzwischen hatte ich mir die weißen Lotsenhandschuhe übergezogen und die Schirmmütze aufgesetzt. Ein Knopfdruck auf den Recorder und einen auf den Chronographen meiner Armbanduhr, los ging’s!
Mit roboterähnlichen Schritten begab ich mich in die Mitte des Raumes, kletterte an einem imaginären Tampen auf die ebenso imaginäre Stellage und begann dort im Rhythmus der Breakdance-Musik zu entrosten. Dann noch drei Schläge Farbe aufgetragen und gerollt - fertig. Ein Blick zur Uhr: eine Minute Musik hatte ich noch. Für die Zuschauer sah es aus, als wenn ich während der Arbeit zur Uhr schaute. Feierabend! Ich „kletterte“ zurück, die Musik ging aus und ich atmete auf. Den aufbrausenden Beifall bemerkte ich nur nebenbei. Verschwitzt beschäftigte ich mich wieder mit dem Recorder. Als nächstes war unsere Modenschau dran, deren einzelne Models ebenfalls durchschlagende Erfolge darstellten - in Form der allgemein bekannten DSR-Arbeits-Mode...
Abschließend noch ein kleiner Strip. Vorgeführt von unserem Manne-girl Benjamin. Während der schöne alte französische Schlager „Je t’aime“ erklang, legte er gekonnt Teil für Teil ab. Als er nur noch in Badehose dastand, kündigte Sören als unser Showmaster an:
„Wenn unserem Mannegirl ein Drink spendiert wird, entledigt er sich noch eines Kleidungsstückes!“ - Aber keiner wollte spendieren, bis endlich einer von uns „ich“ rief, um die Show zu retten. Daraufhin griff sich Benjamin - ins Ohr und holte ein Stück Watte heraus. Unser Publikum war herrlich: Es lachte und klatschte und lachte...
Gegen unseren Kulturbeitrag war also nichts einzuwenden. Jeder erhielt seinen Taufschein persönlich von Neptun, gespielt übrigens vom Bootsmann. Gleichzeitig erfuhren wir die Summe, die wir im Laufe der „Reinigung“ in Form von Alkohol „gespendet“ hatten. Benjamin hielt mit 275,-Mark die Spitze. Dagegen stand der E-Mix mit nur 60,-Mark am anderen Ende. So ungerecht kann die Welt sein! Allerdings war ich über meine 172,-Mark auch nicht gerade erbaut.
Ein herrlicher Abend, wie überhaupt der ganze Tag. Ich stand draußen an der Reling und schaute zu den Sternen hoch. Glücklich, eine wundervolle Taufe, so viel gelacht ...
ich fühlte mich wohl.

 

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